Schnipsel zu Winter Fairytale: Eine Prinzessin für den Playboy-Prinzen

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Ella

 

Nervös schlucke ich und merke, wie meine innere Anspannung immer größer wird.

»Sie brauchen nicht aufgeregt zu sein«, sagt sie mit sanfter Stimme und sieht mich zuversichtlich an.

»Merkt man das so deutlich?«, frage ich sofort und beiße mir verlegen auf meine Lippen.

»Alles in Ordnung, der Prinz wird Sie lieben. Sie haben etwas unglaublich Natürliches an sich, ich mag sie von all den Anwärterinnen jetzt schon am meisten«, sagt sie mit einem freundlichen Lächeln und streichelt mir beruhigend über meinen Arm, während sie mich Richtung Ballsaal führt.

Mein Herzschlag beschleunigt um einen weiteren Takt und Molly öffnet mir die Tür. Meine Beine fühlen sich ein bisschen wie Pudding an, als ich den Ballsaal betrete und nun alle Augenpaare auf mich gerichtet sind. Die Damen tragen nur die teuersten und schicksten Kleider. Eine ist schöner als die andere, aber sie alle wirken steif und irgendwie auch ein bisschen unecht, während sie in Reih und Glied vor mir stehen. Prüfend wandert ihr Blick an mir auf und ab, bis mich ein Sprecher nach vorne Richtung des Prinzen und seiner Eltern zitiert.

»Elenora von Pistanien«, wird mein Name aufgerufen und ich blicke mich weiter im Raum um, als ich schließlich den Prinzen samt seinen Eltern entdecke. Einen Schritt vor den anderen, erinnere ich mich und setze mich in Bewegung.

Der Prinz ist noch in ein Gespräch mit seinen Eltern vertieft und hat mir den Rücken zugedreht, als ich vor ihnen stehen bleibe. Die ältere Dame, scheinbar die Mutter des Königs, dreht sich zuerst in meine Richtung. Sie trägt ein wunderschönes royalblaues Kostüm, hat dunkelbraune Haare, die sie elegant nach hinten trägt, und blaue Augen, die mich prüfend ansehen. Als Nächstes dreht sich der König in meine Richtung, ein stattlicher Mann mit dunkelgrauen Haaren und braunen Augen. Als sich aber schließlich der Prinz zu mir umdreht, habe ich das Gefühl, dass mein Herz stehenbleibt, nur um danach doppelt so schnell zu schlagen.

»Ella«, sagt der Prinz mit einem Staunen, im selben Moment als ich ›Noah‹, flüstere.

Sofort sind alle Augenpaare auf uns gerichtet, allen voran der prüfende Blick der Königsmutter. Im Raum ist es ganz still und ich schwöre, man könnte eine Stecknadel fallen hören. Mein Herz schlägt so schnell, als würde ich einen Marathon laufen, und ein Sturm tobender Schmetterlinge ist wild in meinem Bauch unterwegs. In mir geht alles drunter und drüber, und ich fühle mich, als würde ich den Boden unter meinen Füßen verlieren. Noahs Blick gilt die ganz Zeit nur mir, seine dunklen mystischen Augen sehen mich begeistert an und ein warmes Lächeln umspielt seine schönen Lippen.

Nein, nein, das kann nicht wahr sein, rattert es verzweifelt in meinem Kopf. Nein, Noah kann nicht der Prinz sein. Noah darf nicht der Prinz sein, schreit mein Herz und möchte mir am liebsten aus meiner Brust springen.

Es dauert einen kurzen Moment, bis ich mich wieder fange und halbwegs meine Fassung zurückbekommen habe. Noah kommt mit einem Strahlen auf mich zu, reicht mir seine Hand und Tausende Schmetterlinge strömen erneut durch meinen Körper.

Wie konnte ich nur so dumm sein und habe Noah nicht erkannt? Ich habe ihn in so vielen Klatschzeitungen gesehen, doch mit dem dichten Bart im Wald wirkte er so fremd und ich wäre nie im Leben darauf gekommen, dass er der zukünftige König dieses Landes ist. Auf allen Bildern der Presse und auch auf dem Bild, das mir Estelle gegeben hat, war er komplett rasiert. Ich hatte kurz das Gefühl, dass er mir bekannt vorkommt, doch niemals habe ich auch nur einen Gedanken daran verschwendet, dass er der Prinz sein könnte.

»Ella«, sagt er erneut, nimmt meine Hand und haucht einen Kuss auf meine Fingerknöchel.

Es ist unheimlich still hinter uns, bis plötzlich ein Getuschel rund um uns einsetzt. Ich lasse meinen Blick kurz im Raum umherwandern und tatsächlich, mein Eindruck von gerade eben täuschte mich nicht. Alle Augenpaare sind auf uns gerichtet, die Anwärterinnen schmeißen mir missgünstige Blicke zu und Noahs Mutter flüstert seinem Vater etwas in sein Ohr.

»Du hast erneut einen beeindruckenden Auftritt hingelegt, Ella«, sagt Noah und ein spitzbübisches Lächeln umspielt seine Lippen.

Der Prinz betrachtet mich von oben bis unten und kommt dann noch einen Schritt näher an mich heran.

»Darum hast du mir nicht verraten, wer du bist«, stellt Noah fest, spricht dabei aber so leise in mein Ohr, dass niemand außer uns beiden das Gespräch mitanhören kann und sein ganz spezieller Duft verzaubert dabei erneut alle meine Sinne.

»Ich wusste nicht, dass du es bist«, flüstere ich ihm zu und schaffe es kaum, ihm dabei in die Augen zu sehen.

»Ich glaube, das Schicksal meint es gut mit uns«, flüstert Noah in mein Ohr und erneut stellen sich alle meine feinen Härchen vor lauter Funkensprühen auf. Noah ist mir so nahe und all die Erinnerungen an die beste Nacht meines Lebens kommen mit voller Wucht zurück.

»Noah, die Damen dürfen jetzt ihr Zimmer beziehen, kannst du Elenora von Pistanien bitte freigeben?«, bittet seine Mutter und sieht prüfend zwischen Noah und mir hin und her.

Noah verdreht gespielt seine Augen und ein Lächeln huscht wieder über seine schönen Lippen.

»Wir sehen uns dann später«, sagt er und haucht mir einen weiteren Kuss auf meine Fingerknöchel.

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