Schnipsel zu Million Dollar Story

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Emily

 

Die Scheibe kühlt meinen Körper. Ich muss zugeben, tatsächlich würde ich gerne über seine Darbietung klatschen. Denkt er echt das sein dummes Gehabe bei irgendeiner Frau zieht? Denkt er, dass die Frauen scharenweise vor ihm auf die Knie gehen, wenn er sich so flirty verhält?  Alles, was ich bei seinem komischen Alphamännchen-Gedöhns fühle ist die in meinem Inneren aufkeimende Übelkeit.

Natürlich sehe ich seine intensiven Blicke, und ja, ich würde lügen, wenn ich sage, dass mein Körper kein bisschen darauf reagiert. Und dennoch wäre ich niemals so hirnverbrannt mit diesem Kerl ins Bett zu gehen.

Hier steht meine Karriere auf dem Spiel, und wenn ich eines will, dann ist es einen erstklassigen Bericht über Lennox Cain. Schließlich hat er mir im Vertrag auf dem Schreibtisch die Freiheit gegeben, diesen dann auch zu veröffentlichen.

»Dann haben wir einen Deal«, murmle ich. Sein Gesicht ist so nah, dass ich seinen Atem riechen kann. Herber Whiskey, aber auch süßlich. Ob er wohl genauso schmeckt?

Halt, was denke ich denn da? Pff! Es interessiert mich ganz und gar nicht, wie er schmeckt!

Er grinst breit. »Braves Mädchen«, raunt er. Würg.

»Wann können Sie ihre Sachen packen?« Er löst sich von mir, zieht sein Jackett an den Ärmeln gerade und sieht mich unbeeindruckt an. Als würde er nicht gerade verlangen, dass ich all meine persönlichen Termine für ihn in den Hintergrund stelle. Aber gut, ich bekomme ja auch etwas dafür.

»Jetzt gucken Sie nicht so, Emily. Nachdenklich steht so schönen Frauen wie Ihnen nicht«, nuschelt Lennox, da ich ihm noch nicht geantwortet habe.

Ich rolle die Augen. »Es gibt sicherlich noch ein paar Regeln, die wir festlegen sollten.« Und die haben ausnahmsweise Mal persönliche Gründe. Denn ich werde, auch wenn ich seine Begleitung spiele, nicht seine Freundin sein. Lennox zieht erwartungsvoll eine Augenbraue nach oben.

»Ich bin nicht ihre Freundin. Das mit uns ist noch ganz frisch, weshalb wir keine Ahnung haben, wo es hinführt«, beeile ich mich zu sagen. »Keine Zungenküsse, und erst recht keine, wenn wir alleine sind. Kein anfassen, wenn uns keiner sieht und bitte auch keine sexuellen Anspielungen. Das ist lächerlich. Ich habe keine Lust, mich ständig in deiner Gegenwart peinlich berührt zu fühlen.«

Er zuckt unbeeindruckt mit den Schultern. »Soll mir recht sein.«

Wow. Das war einfach. Hat er also echt gar kein Interesse an mir? Geht es hier gänzlich um einen geschäftlichen Vertrag?

Mann, Emily! Natürlich! Jetzt reiß dich zusammen, verdammt. Meine innere Stimme hat recht. Wieso finde ich es so bedauerlich, dass der Neandertaler mich nicht …wenigstens ein bisschen heiß findet?

Lennox tritt erneut etwas an mich heran und grinst. Eine Gestik, die ein leichtes Kribbeln auf meine Haut zaubert. Ein Anzeichen dafür, dass ein Dämon in ihm wohnt, ganz klar. Eins, von unzähligen, weshalb ich vielleicht doch lieber einen Priester holen sollte, statt mich mit ihm in einem Apartment einzubunkern. Ein Exorzismus ist sicherlich auch etwas, was man seinem schlimmsten Feind wünschen könnte, oder? Nein, im Grunde wäre das für dieses besondere Exemplar nicht genug.

Lennox braucht seine eigene zugeschusterte Hölle und ich weiß aus was die besteht. Es muss langsam passieren, gemächlich, sodass der Druck sich in ihm immer mehr aufbaut. Ich muss ihn am Haken halten, ihn zappeln lassen, statt ihm sofort das Gefühl eines Erfolges zu vermitteln. Er soll leiden, oh Gott, ja ich will in seinen Augen sehen, dass er auf dem Zahnfleisch geht.

»Wir sehen uns morgen«, sage ich und dränge mich an ihm vorbei. Lennox nickt. »Am Cain- Tower, sieben Uhr.«

Ich drehe mich nicht nochmals zu ihm um, sondern schnappe nach dem Vertrag auf dem Schreibtisch und reiße ohne ein weiteres Wort die Tür zum Flur auf.

Helen springt zurück. Die Nuss hat doch wirklich gelauscht. Ein breites wissendes Lächeln liegt auf ihrem ertappten Gesicht. Ich halte genervt den Vertrag nach oben und nicke zurück in den Raum. Dort steht Cain unbeeindruckt mit diesem seltsamen Grinsen und sieht uns an.

»Wenn das durch ist Helen, will ich die komplette Weltherrschaft«, zische ich meiner Chefin zu, die verlegen den Mund verzieht. Ich zwinkere und beeile ich mich den Flur zu durchqueren, um so schnell wie möglich in dem Aufzug zu verschwinden.

Die nächsten Wochen werden ganz sicher nicht einfach. Wenn ich es aber geschafft habe, winkt eine unglaubliche Beförderung, die meiner Karriere endlich das langersehnte Krönchen aufsetzt. Endlich!

Und als die Fahrstuhltüren endlich zugefallen sind, muss ich meine Freude einfach hinausschreien.

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