Schnipsel zu CEO of Second Chances: Baby vom Boss

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Mavie

 

Seine stahlblauen Augen durchbohren mich. Sein Blick liegt auf mir, unverwandt und stechend, und sein süffisantes Grinsen lässt mich schwitzen. Nervös sitze ich vor ihm, rutsche auf dem glatten Ledersessel herum und spüre mein Herz hart in meiner Brust hämmern. Im immer gleichmäßigen schnellen Beat schlägt es mir bis an meine Kehle und macht mir meine Lage nur noch mehr bewusst. Er weiß es, dieser Mistkerl weiß natürlich, dass ich mich an die Nacht erinnern kann. Diese Nacht könnte ich nicht vergessen, viel zu tief haben sich seine Berührungen in meine Haut eingebrannt. Seine Blicke hinterließen Spuren auf meiner Seele. Ich wollte ihm nie wieder nah sein, nicht nach dem, was damals passiert ist. Nie werde ich den Schmerz und den Verrat vergessen, den ich durch Jason spürte. Tiefe Narben in meinem Herzen erinnern mich daran. Längst dachte ich, sie wären geglättet, doch auch Jahre später triefen sie vor Schmerz. Naiv dachte ich damals, ich würde ihm genügen. Ich dachte, er wäre mein wahrgewordenes Märchen. Dabei erinnere ich mich noch so genau an den Abend, als Jason mich von zu Hause abholte. Als er im Smoking vor mir stand und mein Herz vor Freude tanzte. Ich kam mir ein bisschen wie eine richtige Prinzessin vor mit meinem geliehenen Kleid. Er gab mir dieses Gefühl. Das Mauerblümchen und der Footballcaptain. Stolz marschierte ich mit ihm auf den Highschool Ball. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich unsichtbar, aber an der Seite von Jason waren alle Blicke auf uns gerichtet. Nicht, dass ich nach Aufmerksamkeit schrie, doch es gefiel mir, gesehen zu werden. Diese zarte Verbindung zwischen uns hatte sich Monate vor dem Ball aufgebaut. Sie wurde immer tiefer, inniger, verbundener. Ich vertraute ihm, ich ließ ihn in mein Leben und dachte, ich wäre auch ein Teil seines Lebens. Als er mich vor all den anderen zum Tanzen aufforderte, war ich ihm komplett verfallen. Doch die Ernüchterung folgte am nächsten Morgen. Was ich für Liebe hielt, war für Jason wohl nichts weiter als eine dumme Wette. Eine Spielwette. Ein Spaß unter Freunden, als dessen Opfer sie mich auswählten.

Jason lässt sich selbstsicher auf seinem großen Chefsessel zurücksinken und fährt mit seiner Hand über seinen Bartschatten. Keine Sekunde wendet er sich von mir ab, ich spüre die Hitze auf meinen Wangen.

»Du weißt aber schon, dass das an sexuellen Nötigung grenzt, wenn du mich so betrachtest?«

Jason entkommt ein lautes, kehliges Lachen. So intensiv, dass es in meinem Körper vibriert. Ich kann nicht anders, als auf seinen Mund zu starren, dann in seine Augen und verliere mich fast darin.

»Wie betrachte ich dich denn, Mavie?«, möchte er wissen und lehnt sich näher zu mir. Erneut kommt mir eine volle Dröhnung Jason entgegen. Meine Sinne spielen verrückt und statt ihn zu hassen, tanzen Hunderte Schmetterlinge in meinem Bauch umher. Diese verdammten Pheromone, vielen Dank auch.

»Du weißt schon, so, so, ach, lass das einfach.« Meine Stimme klingt viel zu nervös und es kommen Worte aus mir heraus, die ich nicht steuern kann. Wo ist nur meine Coolness hin? Mein Panzer, den ich mir nach Jason zugelegt habe. Ich bin viel taffer als damals, und von einem Mann lasse ich mir seit Jahren nichts mehr gefallen, aber in seiner Gegenwart fühle ich mich klein und unsicher.

Jason steht auf, geht einmal um seinen Schreibtisch herum und bleibt vor mir stehen. Ich drehe mich mit meinem Sessel in seine Richtung und lasse ihn keine Sekunde aus den Augen. Jason ist gefährlich und ich werde mich nicht noch einmal an ihm verbrennen. Er beugt sich über mich, stemmt seine Hände an die Lehnen meines Sessels und berührt meine Wange mit seinem Gesicht. Ich möchte zurückweichen, doch ich spüre hinter mir die Kante des Schreibtisches an meinem Sessel. Sein Bartschatten kratzt an meiner Haut und setzt Erinnerungen an unsere Nacht frei. Unzählige Bilder tauchen vor meinem inneren Auge auf. Jasons Lippen auf meinen, während er mich hart gegen die Wand fickt. Ich muss schwer schlucken im Versuch ihm zu widerstehen.

»Ich bin kein Unmensch, Mavie. Und schon gar nicht nachtragend. Warum auch immer du dich gestern aus meinem Bett geschlichen hast, hier hast du deine Kette«, haucht er und löst sich ein paar Zentimeter von mir. Aus seiner Hosentasche zieht er meine Kette. Meinen Talisman, das letzte Geschenk meines Vaters.

Vorsichtig legt er sie um meinen Hals und schließt den Verschluss. Ich höre meinen eigenen Herzschlag als Rauschen in meinem Ohr und ich bin mir sicher, er nimmt mein Herzklopfen an meiner Hauptschlagader wahr. Er ist mir gerade so nahe und eine feine Gänsehaut breitet sich auf meinem Körper aus. Jason lässt sich beim Schließen meiner Kette quälend viel Zeit und scheint diesen Moment richtig zu genießen.

»Danke«, hauche ich, nachdem er meine Kette geschlossen hat und von mir zurückgewichen ist. Ich berühre meinen Anhänger und versuche mich zu sammeln. Jason weckt zu viel in mir. Ich hätte die Bar einfach verlassen und mir nicht selbst beweisen sollen, dass ich nicht auf ihn reagiere. Er war meinem Herzen damals schon gefährlich und er ist es heute noch immer.

Eine innere Stimme warnt mich, ich solle den Job nicht annehmen. Doch ich brauche das Geld. Ohne diesen Job sitze ich in wenigen Tagen auf der Straße. Dieser Drahtseilakt wird der härteste Job meines Lebens, und mit Jason als meinem Boss, kann es nur turbulent werden.

»Wenn du es genau wissen willst, ich kann mich an gestern Abend erinnern, leider. Doch da wird es niemals, wirklich niemals, eine Wiederholung geben. Alles, was zwischen uns sein wird, ist eine geschäftliche Beziehung.«

Jason grinst selbstgefällig und setzt sich zurück in seinen Schreibtischsessel.

»Was ist daran so lustig?«, will ich genervt wissen und atme gedehnt aus. Dieser Mann provoziert mich auf so viele mögliche Arten.

»Ach, weißt du, ich bin einfach froh, dass du dich daran erinnern kannst«, sagt er und deutet zwischen uns beiden hin und her. Voller Unverständnis schüttle ich meinen Kopf. Warum sollte er froh sein und was ist daran so wichtig?

»Warum ist dir das so wichtig?« Überrascht schaue ich ihn an und werde einfach nicht schlau aus ihm.

»Na ja, es hätte schon sehr an meinem Ego gekratzt, wenn du dich nicht daran erinnert könntest. Ich meine, wenn du dich nicht an ihn erinnern könntest«, sagt er und gibt mir damit selbst des Rätsels Lösung. Natürlich, typisch Mann. Aber er hat recht, ich könnte diese Nacht nicht vergessen. Was mich Jason fühlen ließ, schaffte bis jetzt kein anderer. Niemand konnte ihm in dieser Hinsicht das Wasser reichen. Das liegt bestimmt daran, dass Jason genug Übung auf diesem ganz speziellen Gebiet hat. Ohne es aufhalten zu können, muss ich schmunzeln. Zum ersten Mal seit Jahren bringt er mich zum Lachen, doch ich beiße mir selbst auf meine Lippe. Er sollte mich nicht zum Lachen bringen.

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