Leseprobe zu The One-Night Deal

Lesezeit: circa 10-20 Minuten

Prolog

Hope

4 Jahre zuvor, Halloween

 

»Tequila!« Meine Freundin Candy brüllt mir ins Ohr. Sie ist passenderweise als Stewardess verkleidet und schwenkt ein Tablett. Ich nehme ein buntes Shotglas entgegen. Sydney, heute im Outfit eines sexy Kätzchens, quietscht und angelt an meiner Schulter vorbei nach einem weiteren Glas. Dabei prallt sie gegen mich. Lachend fange ich sie auf und schiebe sie auf die Füße. Tiff gackert und hilft mir von der anderen Seite aus dabei, Sydney davon abzuhalten, intensive Freundschaft mit dem Fußboden zu schließen.

»Cheers!« Ich recke die Hand mit dem Shotglas in Tiffs Richtung. Sie stößt mit mir an. Ihr Dienstmädchen-Outfit sitzt schon schief. Aber das bemerkt sowieso keiner mehr. Alle anderen hier sind mindestens so betrunken wie wir. Also, was soll‘s?

In der nächsten Sekunde rinnt der Schnaps brennend durch meine Kehle und fährt mir warm in den Bauch.

Warum wollte April eigentlich nicht mitkommen? Wieso mag sie Partys nicht und Alkohol und meine Cheerleader-Freundinnen? Da verpasst sie wirklich was!

»Du solltest echt noch mal bei der Verbindung …«

Ich winke ab und drücke Tiff einen weiteren Shot in die Hand.

»Nein, Tiff. Das is’ durch.« Irgendwie stolpert meine Zunge mitten im Satz. Oh wow, ich sollte nicht noch mehr Tequila trinken. Dieses Zeug macht mich immer wuschig. Nicht nur im Sinne von ›superschnell betrunken‹, sondern im Sinne von ›noch freimütiger als normal‹.

Was? Ich kann meinen eigenen Gedanken nicht mehr folgen. Kichernd wende ich mich wieder an Candy.

»Sind wir zum Feiern hier, oder was?«

Die Mädels kreischen, stoßen die Shotgläser aneinander und ich kippe den nächsten Drink runter. Sydney schmeißt ihr Glas einfach nach hinten. Fasziniert beobachte ich die Flugbahn und höre Candy einen unserer Cheers anstimmen. Die beiden anderen steigen ein, aber ich habe nur Augen für den Kerl, auf den Sydneys Glas zuschießt. Das Wurfgeschoss zerschellt direkt neben ihm an der Wand. Ich schlucke hart.

Connor Bexter.

Unwillkürlich rücke ich mir die zarte venezianische Maske zurecht, die den oberen Teil meines Gesichts verdeckt, und werfe einen unauffälligen Blick auf meine Korsage. Ups, irgendwie hat sich ein wenig Tequila in mein Dekolletee verirrt. Die Tropfen schimmern noch auf der Haut und der Rand des Stoffs färbt sich dunkler.

Bevor ich mich dem Fleck eingehender widmen kann, sehe ich auf und mein Blick kreuzt sich mit seinem. Sein Anblick bringt mich auf dem Campus – und jedes Mal, wenn sich die Trainingszeiten des Squads mit den Footballern überschneiden – total aus dem Konzept. Seit Wochen kann ich bei keinem Spiel mehr auftreten, ohne mit den Augen an Connor zu kleben.

Das ist fürchterlich! Dabei kann ich ihn nicht mal leiden und gebe mir ständig Mühe, ihn zu ignorieren. Er ist ein absoluter Weiberheld. Ich bin keine Nonne und habe meinen Spaß. Also darf ich es ihm eigentlich nicht anlasten, aber dass Mister ›zukünftiger Supersportler‹ lautstark mit seinen Bettgeschichten angibt und sich dafür feiern lässt? Das geht gar nicht.

»Uh! Mason ist da.« Candy kichert, und aus dem Augenwinkel sehe ich vage, dass sie auf den riesigen Kerl neben Connor deutet. Aber meine Augen hängen immer noch an Bexter. Ich kann einfach nicht wegsehen. Verdammt!

»Hope! Mason Vega ist wieder Single!« Ich blende das Gekreische meiner Freundinnen aus. Welche von ihnen sich an unserem frisch getrennten Quarterback versucht, ist mir egal. Irgendwer stupst mich an, und ich sehe, wie Candy Kurs auf Mason nimmt. Sydney folgt ihr gackernd und zerrt Tiff mit sich. Eine Sekunde sehe ich ihnen unschlüssig hinterher, doch dann spüre ich ein diffuses Kribbeln auf der Haut. Das Gefühl, beobachtet zu werden, wird mit jedem Wimpernschlag stärker. Es ist aufregend. Irritierend, aber gleichzeitig unglaublich anziehend. Unwillkürlich drehe ich den Kopf und zucke zusammen.

Connor sieht mich an. Wobei, nein, er sieht mich nicht einfach an, er fixiert mich, wie ein Löwe sein Abendessen. Er rückt sich die Mütze zurecht. Sein umwerfendes Lächeln fährt mir durch den ganzen Raum direkt bis in die Knochen und schickt eine heftige Hitzewelle zwischen meine Beine.

Wie kann mich ein verdammter Blick so scharf machen? Ach ja, Tequila! Dieser blöde Nebeneffekt. Das liegt nicht an Bexter, das ist einzig und allein der Schnaps.

Bevor ich ihm ausweichen oder überhaupt begreifen kann, was gerade passiert, hat Connor den Raum durchquert.

»Hey. Hast du dieses Shotglas geworfen?« Dieses verdammte, umwerfende Lächeln!

Trotz meinem festen Vorsatz, ihn nach wie vor ätzend zu finden, bringt mich die Tatsache, dass er endlich mal nicht unfassbar angefressen aussieht, irgendwie aus dem Konzept.

»Und wenn?« Ich wackele mit den Brauen, obwohl das dank der Maske garantiert nicht zu sehen ist, und … Strecke ich gerade meine Brüste raus? Ja! Definitiv. Wow. Was ist nur in mich gefahren? Ja, ich stehe wahnsinnig auf den Nachwuchs Wide Receiver der Tigers, aber … Er ist ein Arsch! Und ich hatte so fest vorgehabt, ihm nicht zu verfallen.

Kurz sehe ich mich nach meinen Freundinnen um, die sind allerdings mittlerweile irgendwo zwischen den vielen Leuten verschwunden.

»Dann müsste ich dich dafür leider verhaften.« Diese samtige Stimme! Fuck! Wie kann jemand nur so wahnsinnig heiß sein und dann noch so sexy klingen?

»Müsstest du?« Ich blinzele lasziv. Was? Wieso tue ich das? Ich will ihn nicht angraben. Und trotzdem tue ich es. Aber diese verdammte falsche Uniform! Darunter zeichnen sich seine Muskeln deutlich ab. Seine Oberarme strapazieren die Ärmel des Kostüms so sehr, dass ich erwarte, dass der Stoff jede Sekunde reißt. Das tut Connors Sexy-Cop-Auftritt natürlich keinen Abbruch.

»Oh ja. Du hast einen Polizisten angegriffen. Das ist strafbar.«

Diese Augen!

»Das tut mir wahnsinnig leid, Sir. Ich habe Sie gar nicht gesehen.« Automatisch schlage ich die Wimpern nieder und beiße mir auf die Unterlippe. »Müssen Sie mich jetzt wirklich verhaften, Officer Bexter?«

Das Grinsen auf Connors Gesicht vertieft sich. Er leert seinen Becher, stellt ihn irgendwo ab. Seine Augen halten mich so sehr gefangen, dass ich dieser Bewegung nicht folgen kann. Ich sehe nur das tiefe Grün. Und die unbändige Lust darin.

Sein Gesicht nimmt wieder diesen ernsten Ausdruck an, den ich von ihm kenne. Diesen unfassbar sexy Denkerblick, den er draufhat … »Ja. Das muss ich leider«, sagt er und nickt, immer noch ist seine Miene todernst. »Bitte folgen Sie mir, Ma’am.«

Sein Tonfall jagt ein Prickeln durch meinen Körper, und ich bahne mir hinter ihm einen Weg durch die Menge, bei jedem Schritt geht ein aufgeregtes Flattern durch meinen Bauch, schießt nach unten und löst ein heftiges Pochen in meiner Mitte aus. Diese ganze Situation ist so heiß. So verboten sexy. Und vor allem … verboten! Richtiges Wort. Verdammt! Was tue ich denn hier? Kann ich … will ich? Das mache ich jetzt nicht wirklich. Ich laufe ihm wie ein trotteliges Schäfchen einfach hinterher, nur weil er drei Worte und einen dummen Anmachspruch für mich übrig hat?

Nein! Stopp!

Abrupt bleibe ich stehen. Mitten in der feiernden Meute. Den Bruchteil einer Sekunde überlege ich, wie ich Bexter auf mich aufmerksam mache – warum auch immer ich das tun sollte! -, aber er dreht sich bereits zu mir um.

Eine Hand streckt sich nach mir aus.

»Alles okay?« Connor mustert mich, sanft streift er meinen Oberarm. Ein Schauer rieselt durch meinen Körper. Und schickt ein kribbelndes, heftiges Ziehen zwischen meine Beine.

»Ähm …« Mein Blick pendelt durch den Raum. Soll ich echt … Also, mache ich es ihm so leicht?

»Keine Ahnung, ob …«, beginne ich.

»Ob du wirklich einem ultraheißen Cop vertrauen sollst?« Connors Stimme löst ein Lodern in mir aus, das ich nur schwer ignorieren kann.

»Hmhm.« Ich nicke. Ohne Vorwarnung packt er mich und zieht mich an seinen perfekten Körper. Diese Muskeln, diese wunderbare, athletische Figur, das durchtrainierte …

»Du willst das.« Der raue Klang seiner Worte heizt mich an. Seine Lippen streifen meine Schulter, und ich kippe automatisch den Kopf zur Seite, um ihm Platz zu machen.

»Ja«, hauche ich.

»Na siehst du?« Sein Grinsen streift meine nackte Haut. Mein Unterleib pocht. Schon auf dem verdammten Football-Feld wollte ich ihn so sehr. Bei jedem Spielzug habe ich mir jede winzige Faser von Connors Körper angesehen. Als Cheerleaderin bin ich immerhin nah genug dran.

»Also? Darf ich dich jetzt ohne Gegenwehr verhaften oder muss ich dich … mit anderen Mitteln überzeugen?«

Die Worte schicken ein Prickeln über meine Wirbelsäule. Langsam lässt er die Finger an meiner Hüfte herab weiter nach unten wandern, bis er den Saum meines Kleids erreicht und unter die Rüschen fährt. Vorne ist der Rock sehr kurz, nur an meiner Rückseite schleift er ein wenig über den Boden. Also ist ihm nicht sonderlich viel Stoff im Weg.

Die Tatsache, wie nah diese verdammten Finger meiner pochenden Mitte kommen, indem er einfach nur am Saum spielt … Fuck! Ja. Ich will das. So sehr, dass ich mir wünsche, er würde mit den Spielchen aufhören, das Höschen beiseiteschieben und zwischen all diesen Leuten vollkommen öffentlich seine Finger in mir versenken.

Wow. Das ist selbst für mich freizügig.

Tatsächlich schiebt er die Hand ein winziges Stück unter meinen Rock, so, dass er ganz sacht meinen Oberschenkel streift. Ich spüre, wie sich die Nässe zwischen meinen Beinen sammelt. Wie kann das sein? Er hat mich bisher doch kaum berührt! Noch nie hat irgendwas auch nur annähernd das in mir ausgelöst, was ich jetzt fühle. Wenn er nicht sofort damit aufhört, das mitten im Gedränge dieser Party zu tun …

Schnell packe ich sein Handgelenk.

»Sorry, ich …«, setzt Connor an und hebt die andere Hand, zum Zeichen, dass er mich nicht weiter befummelt. Dabei deutet er meine Reaktion vollkommen falsch.

»Komm mit!« Ich warte nicht darauf, dass er sich bewegt, sondern zerre ihn einfach hinter mir her. Es ist unfassbar heiß hier drin. Jedes Fitzelchen Stoff auf meiner Haut steigert das Gefühl nur. Dieses Feuer in meinem Bauch wird mich verbrennen, wenn ich diesen Kerl nicht sofort haben kann.

Obwohl ich Connors Handgelenk immer noch fest im Griff habe, sehe ich kurz über die Schulter zu ihm, als wir die Treppe zum Obergeschoss erreichen. Der Ausdruck in seinem Gesicht pendelt irgendwo zwischen Erstaunen und vollkommener Verwirrung. Dann scheint er endlich zu kapieren. Und sein Blick besteht auf einen Schlag nur noch aus Begierde. Er ist so wahnsinnig sexy, wenn er …

Ich verfehle die nächste Stufe, stolpere, pralle gegen eine Frau im Bienchen-Kostüm und segele verdächtig schnell den Sneakers entgegen, die so überhaupt nicht zum peinlichen Piratenkostüm passen, in dem der Kerl neben der Biene steckt.

»Du hast’s aber eilig!« Lachend schlingt Connor einen Arm um meine Taille und fängt mich auf. Ups!

»Hoppla!« Ich kichere. »Ich schwöre, die Stufe hat sich bewegt!«

»Ganz sicher hat sie das.« Sein Atem streift meinen Nacken und hinterlässt ein aufregendes Kribbeln. »Du bist aber hoffentlich nicht so besoffen, dass du mich vollkotzt, wenn wir ficken, oder?«, raunt er in mein Ohr.

Argh! Der Kerl hat den Charme einer Abrissbirne! Und wie zur Hölle kann er so sexy klingen, wenn er so einen Unsinn redet? Ich weiß genau, warum ich ihn unter normalen Umständen niemals in die Nähe meines Höschens lassen würde. Vermutlich prahlt er fröhlich vor seinen Jungs mit Details. Aber zumindest darum muss ich mir wenig Sorgen machen, denn dank der Maske dürfte er keine Ahnung haben, wer ich bin. Und das soll auch so bleiben!

Verdammt, denke ich gerade wirklich darüber nach … Nein, ich bin schon ernsthaft dabei, mit Connor fucking Bexter in einem Zimmer zu verschwinden.

Seine Lippen streifen mein Ohr. Das Feuer in meinem Bauch lodert wieder heller, schießt mir glühend zwischen die Beine und überdeckt jeden Gedanken.

»Alles bestens«, erwidere ich. »Wenn du mich loslässt, wären wir allerdings schneller bei dem Punkt mit dem F…« Bevor ich es aussprechen kann, verlieren meine Füße schon den Kontakt zum Boden.

Was zum …?

Schmeißt mich der Typ gerade ernsthaft über seine Schulter? Ja. Eindeutig. Perplex starre ich das Bienchen an. Sie wendet sich sofort wieder gelangweilt ihrem Piraten zu.

»Ich kann alleine laufen, du musst mich nicht rumschleppen, ich bin kein verdammter Football!«, motze ich. Ups. Das war‘s jetzt vermutlich mit der Anonymität. Die wenigsten Frauen an unserem College würden so reagieren. Das war eindeutig Hope-typisch. Aber meine Worte gehen in einem Pfiff unter. Wahrscheinlich einer der Tigers, und das ist so was wie Connors Applaus.

»Hey, Bex macht schon wieder ein Mädchen klar. Wie macht er das nur immer?«, grölt ein Kerl so laut, dass ich ihn über die Musik noch hören kann. Garantiert ist das auch einer der Junior-Tigers. Wie erniedrigend!

Ich habe keine Zeit, mich in meiner Scham zu suhlen, denn Connor steigt im Eiltempo die Treppe hoch, reißt die erstbeste Tür auf und stolziert mit mir in ein Schlafzimmer.

Ohne lange zu fackeln, schmeißt er mich auf das Bett, während die Tür krachend hinter uns zufällt. Prolet! Arschloch! Mistkerl! Schwein! Die Reihe der Beschimpfungen ist endlos und kann trotzdem nicht annähernd erfassen, was ich von ihm halte. Energisch drehe ich mich um, will aufstehen, an ihm vorbei stürmen und flüchten, komme aber nicht weit.

Connor steht direkt vor mir und grinst.

»Was denn? Du hast gesagt, schnell. Schneller ging das wirklich nicht.«

Was für ein widerlicher, unmöglicher … Weiter komme ich nicht. Er zwinkert mir zu und reißt sich mit einer geschickten Bewegung das Hemd auf. Druckknöpfe. Na klar, wie kann man nur so davon überzeugt sein …

Mein Blick bleibt an seinem Oberkörper hängen und jeder Gedanke an seine Persönlichkeit tritt in den Hintergrund. Seine definierten Muskeln befinden sich exakt auf meiner Augenhöhe und laden mich praktisch dazu ein, zu überprüfen, ob sie so hart sind, wie sie aussehen.

Bevor ich meine Finger daran hindern kann, gleiten sie schon über Connors Sixpack. Seine Haut unter meinen Händen zu spüren, die stählernen Muskelstränge unter meiner Berührung beben zu fühlen, ist noch sehr viel besser, als ich erwartet hatte. Sofort setzt das sehnsüchtige Ziehen wieder ein. Und als ich den Blick hebe und in lustverhangene Augen sehe, verwerfe ich den Fluchtgedanken vollständig.

Wie von selbst gleiten meine Finger an seinen Hosenbund und finden den Gürtel, während ich immer noch wie hypnotisiert in das stetig dunkler werdende Grün starre.

Tolle Idee, wenn du unerkannt bleiben willst, du Genie!

Grade will ich gewaltsam den Blick abwenden, da übernimmt Connor die Führung. Er beugt sich zu mir und küsst mich. Fordernd, verlangend, provokant. Mir bleibt die Luft weg. Gut, dass ich bereits sitze, sonst hätte mich seine Intensität vermutlich einfach vom Boden gefegt. Um sicherzugehen, klammere ich mich trotzdem an seinem Nacken fest. Dabei verliert er das Gleichgewicht, fängt sich aber problemlos auf der Matratze neben mir ab. Sein Gewicht drückt mich nieder, und es ist absolut nicht unangenehm.

»Du hast‘s echt eilig, hm?«, nuschelt er an meinen Lippen. Statt ihm zu antworten, greife ich nach seiner Mütze. Das Schild daran stört. Also muss das Ding weg, egal, wie sexy er damit aussieht.

Er lacht, hebt eine Hand zu meiner zarten venezianischen Maske, aber ich schüttele schnell den Kopf.

»Die bleibt, wo sie ist.«

»Machst du jetzt auf geheimnisvoll?« Connor grinst.

»Ja. Ist doch viel heißer so, findest du nicht?«

Er scheint einen Moment zu überlegen. Dann zuckt er die Schultern.

»Gut, ist irgendwie sexy.« Und es ist ihm vollkommen egal, wer ich bin. Genau so soll das laufen. Ich will mit dieser Aktion einfach nur dieses Kribbeln loswerden, das ich spüre, wenn ich ihn sehe. Wenn er mies im Bett ist, sollte das reichen, damit ich nicht mehr jedes Mal feucht werde, wenn ich mich nur im gleichen Raum aufhalte. Ohne weiter darauf zu warten, dass er darüber intensiver nachdenken kann, greife ich wieder in seinen Nacken und ziehe ihn zu mir herunter.

Unsere Lippen treffen sich erneut. Die prickelnde Hitze zwischen meinen Beinen spornt mich an. Ich tue das Richtige. Danach bilde ich mir diese Spannung garantiert nicht mehr ein. Ganz einfach.

Hirn frei vögeln. Funktioniert bestimmt.

Als Connors Zunge neckend in meinen Mund gleitet, vergesse ich das ›Warum‹ sofort und lasse mich fallen. In seine Berührung, in diesen verstörend intensiven Duft nach Zimt und Leder, in den sich jetzt der Geruch von Bier und Whiskey mischt. Ich kralle die Finger in seine Haare, schiebe ihm mein Becken entgegen und spüre seine Erregung gegen mich drücken.

Zumindest diese Gerüchte über ihn sind definitiv wahr. Dafür muss er sich schon mal nicht verstecken. Automatisch gleitet meine Hand zu seinem Gürtel zurück. Dieses Ding lässt sich schwieriger öffnen als ein Tresor.

Seine Lippen verlassen meinen Mund, gleiten zu den Schultern und bahnen sich langsam einen Weg bis zu dem Punkt zwischen meinen Brüsten.

»Hm.« Das sanfte Vibrieren von Connors genüsslichem Geräusch geht mir durch und durch und schießt mir kribbelnd bis in die Zehen. Ich verglühe schon jetzt beinahe. Parallel fährt er mir mit der Hand unter den Rock, schiebt den Stoff Stück für Stück nach oben. Mit den Fingerspitzen gleitet er an den Innenseiten meiner Oberschenkel entlang bis zu meiner pochenden Mitte.

Ich bin so nass, dass ich mir nichts mehr wünsche, als endlich dieses durchtränkte Höschen loszuwerden und Connor in mich aufzunehmen. Das Brennen im Bauch beherrscht mittlerweile meinen gesamten Körper. Wenn wir das hier noch lange rauszögern, werde ich verglühen!

Glücklicherweise kann Connor Gedanken lesen. Er greift unter meinen Rock und reißt mir den String herunter. Einfach so. Das Zerreißen des Stoffs nehme ich nur am Rande wahr. Dann gehe ich eben ohne nach Hause. Wen interessiert’s?

Ich strecke die Hände aus, nestele an Connors Hose und bekomme endlich seinen Gürtel geöffnet. Halleluja! Was für ein Akt. Mein erleichtertes Seufzen geht in ein Stöhnen über, als sich zwei Finger in mich schieben und sofort einen empfindlichen Punkt treffen.

»Gut so?« Sein amüsierter Tonfall geht mir auf den Sender. »Oder so?« Er verändert den Winkel und entlockt mir einen überraschten Aufschrei.

Was zur Hölle macht er da? Wie kann sich das so unfassbar gut anfühlen? Auch wenn ich vorhatte, leise zu sein, habe ich keine Chance.

Connor lacht rau, mittlerweile hat er eine meiner Brüste irgendwie aus der Korsage bekommen und seine Lippen streifen die empfindliche Haut.

Ich recke ihm das Becken entgegen und fummele nach seiner Hose, um sie ihm endlich auszuziehen. Die weicht sehr viel leichter als der Gürtel. Ja! Der Stoff gleitet nach unten und meine Finger schließen sich um seinen Schaft.

Connor stöhnt. Ich habe selten etwas Schöneres gehört, und ich genieße es wirklich, ihn wortwörtlich in der Hand zu haben. Der Wunsch danach, ihn endlich in mir zu spüren, wird übermächtig.

Das Reißen von Plastik ertönt. Wo auch immer Connor so schnell ein Kondom herzaubert. Zum ersten Mal bin ich dankbar, dass er ein Weiberheld ist und offensichtlich bestens auf das hier vorbereitet war.

Ich biege den Rücken durch. Meine Beine gleiten automatisch auseinander. Deutlicher könnte ich ihn kaum einladen.

»Connor!«, wimmere ich. Okay, doch, kann ich.

Seine Antwort ist ein Knurren. »Das hört sich gut an. Mach das noch mal!« Die Forderung jagt mir einen Schauer über den Rücken. Ich stöhne, weil er mit den Lippen über meinen freien Nippel streift.

»Genau. Das geht noch besser.« Wieder gleiten seine Finger zu meiner Mitte. Und er hat recht. Der nächste Ton, der über meine Lippen kommt, klingt selbst in meinen Ohren fremd. Erotisch und viel zu laut.

Als wäre das nicht genug, steigert er sein Tempo. Das ist … Ich stammele schwachsinnige Bitten, flehe ihn an und würde mich selbst peinlich finden, hätte ich noch die geringste Chance dazu. Obwohl es so oder so nichts gibt, wofür ich mich schämen muss. Ich bin eine freie, emanzipierte Frau und darf tollen Sex haben, mit wem und wann ich will. Dass ich ausgerechnet Bex in dieser Sekunde anflehe, mich endlich zu vögeln, war vielleicht nicht geplant, aber: Wen interessiert’s?

Jede Bewegung von ihm ist perfekt platziert. Ich bettele so lange, bis Connor meine Beine weiter spreizt und sich endlich in mir versenkt. Eine Sekunde glaube ich, er würde sich zurückhalten, dann stößt er tief in mich, trifft mit jedem Stoß einen herrlichen Punkt. Meine Sinne sind vollkommen benebelt. Längst nicht mehr nur vom Tequila.

Connors raues Stöhnen bringt mich an den Rand der Explosion. Dann finden seine Finger meine empfindlichste Stelle, lassen mich verglühen, in tausend Teile zerspringen, in meine ursprüngliche Form zurückfinden und wieder von vorn. Immer und immer wieder. Die Ausdauer dieses Kerls ist unfassbar! Erst als ich glaube, keine weitere Sekunde zu ertragen, sackt er keuchend auf mir zusammen.

»Hmhm«, nuschelt er gegen meine Schulter. »Verrätst du mir für die nächste Runde wenigstens deinen Namen?«

»Nein.«

»Wie ungezogen. Dann muss ich wohl die Verhörmethoden anpassen, du namenlose Schönheit, und dich so lange in absolute Ekstase versetzen, bis du ihn mir unbedingt verraten willst!« Und damit verspricht er nicht zu viel. Meinen Namen sage ich ihm trotzdem nicht, egal, wie sehr er mich an den Rand meines Verstands vögelt. Und ja, verdammt, er gibt sich Mühe.

Stunden später, nachdem Connor auch seine magische Fähigkeit, Kondome aus dem Nichts zu ziehen, verloren hat und meine Stimme langsam kratzig und heiser wird, schaffe ich es, nur unter Aufbietung all meiner Willenskraft, mich aus diesem Bett zu quälen.

»Wowillsnuhin?« Den Kopf im Kissen vergraben ist Connor kaum zu verstehen, nur seine hellen Haare ragen noch hervor. Am liebsten würde ich mich einfach neben ihn legen. Ich bin so unfassbar müde.

»Nirgends. Bin sofort wieder da.« Ich kämpfe den Drang nieder, mich in diese Kissen sinken zu lassen, zumindest ein bisschen zu schlafen und später erneut unaussprechliche Dinge mit ihm zu tun. Eine Sekunde überlege ich ernsthaft, dann zwinge ich mich, aufzustehen und mir den Rock runterzuziehen. Wenn ich morgen früh in seinen Armen aufwache, mache ich die Erinnerung an dieses Erlebnis nur kaputt. Er wird sich wieder wie ein Arsch aufführen, erkennen, mit wem er die Nacht verbracht hat, und dann … wird er mich zerstören. Meine Fassade, meinen Ruf, aber vor allem würde er mein Herz in Fetzen reißen. So läuft das doch immer, wenn man einem Mann nur das kleinste Stück seines zerbrechlichen Herzchens schenkt, oder?

Dummerweise habe ich das in Connors Fall schon längst getan. Das verräterisch heftige Pochen in meiner Brust bestätigt mir meinen Verdacht. Ich kann nicht zulassen, dass er mich auf diese Weise verletzt. Niemals.

»Warte«, grummelt Connor noch, dann schließe ich die Tür zwischen mir und ihm. Entweder bin ich nach wie vor betrunken, oder der Sex mit Bexter hat mich in ungeahnte Rauschzustände versetzt. Jedenfalls taumele ich die Treppen runter. Mein Hals kratzt, das nächste Cheerleader-Training wird vermutlich die Hölle. Ich fühle mich total wund, und trotzdem pocht immer noch dieses heftige Verlangen zwischen meinen Beinen.

Von wegen ›den Druck raus vögeln‹. Hat ja hervorragend geklappt. Statt mich jetzt gut und befreit zu fühlen, wünsche ich mir nichts sehnlicher, als zurück in dieses blöde Bett zu krabbeln.

Shit, das war so was von nicht Sinn der Sache!

Kapitel 1

Hope

 

Kann man eigentlich noch beschissener Silvester feiern?

Leise in mich hinein schimpfend durchquere ich den halben Saal und werfe immer wieder hektische Blicke über die Schulter, um mich zu versichern, dass der blonde Haarschopf, der aus der Menge hervorsticht, weit genug weg ist. Aber er befindet sich nach wie vor direkt neben der Glastür. An genau der Stelle, von der aus er die Flucht meiner besten Freundin April vor ihrem ehemaligen Fake-Freund gesteuert hat.

Berechnender Arsch.

Ich schnaube. Du bist immer noch der gleiche blöde, manipulierende Mistkerl, was, Connor Bexter?

Eigentlich hatte ich April bloß beistehen wollen. Warum muss ausgerechnet dieser Volltrottel an Masons Plan beteiligt sein? Ach richtig, weil die beiden immer noch ständig miteinander rumhängen und gemeinsam für die New York Tigers spielen.

Ich bin froh, wenn dieses Liebeskummer-Gejammere endet, echt, aber ich habe den dumpfen Verdacht, Mason übertreibt mit seinem Versuch, April zurückzugewinnen, nachdem die beiden sich trotz aller aufgestellten Regeln verliebt haben. Und dann zu feige waren, es sich einzugestehen.

So was habe ich schon vermutet, als Joshua sich aus dem Nichts bei mir meldete und ankündigte, dass er und sein Lebensgefährte mich und meine beste Freundin zu Silvester abholen würden. Und da ich nur Sekunden nach Betreten dieses Saals Connor am Ausgang zur Terrasse stehen sah, war mir klar, dass die beiden irgendeinen ziemlich bescheuerten Plan ausgeheckt haben müssen. Ich wusste in dem Moment, in dem Mason ans Mirko trat, um April all diese peinlichen süßen Worte vor einer Horde Leuten zu sagen, dass sie die falschen Schlüsse ziehen würde. Statt bei meiner besten Freundin zu sein und sie aufzuhalten, stand ich also schwachsinnig am Ausgang, weil Joshua und Mason das so wollten. Ich habe mich einfach drauf verlassen, dass Mase nichts tut, was April verletzen würde. Wie blöd bin ich eigentlich?

Als April durch die Tür nach draußen stürmte und ich gerade auf diese dämliche ›Türbewachen‹-Anweisung pfeifen wollte, sprang er praktisch sofort von der Bühne und rannte hinter ihr her.

In sicherer Entfernung zu Connor beobachtete ich durch die großen Glastüren, ob die beiden sich wirklich wieder vertragen. Glücklicherweise scheinen die anderen Gäste nicht ganz so neugierig zu sein wie ich. Oder sie tun einfach nur so, denn niemand begafft meine beste Freundin und den Quarterback bei ihrer Versöhnung. Spätestens bei Masons und Aprils wilder Knutscherei im Schein der zahllosen Feuerwerkskörper am Himmel ist es Zeit für mich, die Flucht zu ergreifen.

Ich bin keine Romantikerin, wie April. Ich glaube nicht an diesen Große-Liebe-Scheiß. Ein bisschen Hollywood-Propaganda, eine simple chemische Reaktion und schon glaubt die ganze Welt an Mister oder Miss Right. Für mich ist klar: So was wie Liebe existiert nicht. Verlangen? Ja. Lust? Definitiv. Aber Liebe? Das ist totaler Schwachsinn.

Und sieh nur, wohin dich diese Überzeugung gebracht hat! Du versteckst dich an Silvester vor einem deiner ehemaligen One-Night-Stands. Reife Leistung!

Den leisen Spott in mir würde ich nur zu gerne zum Schweigen bringen, aber leider ist er gerechtfertigt. Gemacht habe ich diese Sache mit Connor damals natürlich trotzdem. Classic Hope.

Jedenfalls renne ich jetzt auf einer riesigen, peinlich kitschigen Silvesterparty durch die feiernde und Neujahrsküsschen verteilende Menge, auf der dringenden Suche nach mindestens einer Kiste Champagner. Irgendwie muss ich es schließlich hier aushalten, bis April wieder aus ihrem Glückskoma erwacht und feststellt, dass es bis New Port zu weit ist, als dass ich problemlos nach Hause kommen würde.

Oh Hope, sie wird garantiert bei Mason übernachten. Du würdest es jedenfalls tun!

Natürlich wird sie das. Verdammt, ja, ich an ihrer Stelle würde es definitiv. Mason Vega mag nicht mein Typ sein, ich stehe einfach nicht auf dieses Sunnyboy-Dauergrinsen, aber für April ist er perfekt. Und das Beste daran ist: Sie hat sich endlich den Stock aus dem Arsch gezogen. Wurde ja auch Zeit!

Um ihn mit anderen Dingen zu ersetzen, die liebend gerne tief in ihr …

Ich schüttele den Kopf. Das war jetzt aber wirklich unangemessen!

Auf dem wackligen Absatz meiner High Heels kämpfe ich mich mehr schlecht als recht durch die Menge. Mit dem linken Schuh bin ich irgendwo hängen geblieben, als ich eben nach April sehen wollte. Jetzt fühlt es sich an, als würde ich mit einem Fuß auf rohen Eiern laufen. Karma wahrscheinlich. Oder Connors teuflische Mächte sind endlich ausgebrochen und entlarven ihn als übernatürlichen Dämon und machen allen anderen das Leben zur Hölle. Nicht dass er dazu magische Fähigkeiten bräuchte. Seine Anwesenheit ist in der Regel ausreichend, um eine dunkle Wolke über einen Ort zu senken.

Wieso musste April sich auch ausgerechnet in Connors besten Freund verlieben? Da macht man einmal am College Dummheiten, und schon verfolgen sie einen für den Rest des Lebens!

Einmal? Du hast dieses »eine Mal« öfter gebracht, als ich spontan zählen kann! Du warst nicht sonderlich wählerisch, schon vergessen? Bexter war nur so was wie die Kirsche auf dem ›Hope vögelt fröhlich herum‹-Eisbecher.

Ich presse die Kiefer aufeinander und unterdrücke ein frustriertes Geräusch. Beim nächsten Schritt weiche ich einer pummeligen Dame in einem roten Glitzerkleid mit gelben Streifen aus, das mich dezent an ein Zirkuszelt erinnert. Ich bin so fasziniert von dem Anblick dieses Fummels, dass ich nicht aufpasse, wo ich hintrete. Mein ohnehin schon loser Absatz verheddert sich im Saum meines Kleids. Fluchend verliere ich den Boden unter den Füßen.

Ein Stechen jagt von meinem Knöchel bis ins Knie und treibt mir die Tränen in die Augen. Tja, garantiert ist das nichts gegen den Schmerz der Demütigung, von einer Horde Zirkuszelte tragender Damen zertrampelt zu werden.

»Vorsicht!« Ein Arm schlingt sich um meine Hüfte und ich werde sanft zurück auf die Füße gestellt.

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