Leseprobe zu FAKE ROMANCE

beginnend ab Kapitel 1

Lesezeit: circa 20-30 Minuten

Genevieve

Seine dunklen Augen durchbohren mich. Sein Blick liegt auf mir, unverwandt und stechend, und sein süffisantes Grinsen lässt mich schwitzen. 

Oh Gott! 

Das wäre das Tüpfelchen auf dem i, wenn ich jetzt unter meinen Achseln auch noch feuchte Flecken bekäme. 

Ich hätte nicht die feine cremefarbene Seidenbluse von Dior wählen sollen. Besser wäre die schwarze von Gucci gewesen. Aber ich musste sich ja mal wieder von meiner großen Schwester überreden lassen.

Für die ich das hier alles tue. Und die gerade tausende Kilometer weit weg in Kalifornien in ihrem Haus sitzt und ihre Familie umsorgt, anstatt wie ich hier vor Vasco De Santos‘ Augen förmlich zu einem Bach zu zerfließen. 

Du liebe Zeit, er hat seinen Ruf aber auch nicht umsonst! 

Seine bloße Anwesenheit ist wie ein Vulkan, der kurz vor dem Ausbruch steht. Gewaltig und heiß. Heißer als alles, was ich jemals gesehen habe. 

Nicht dass ich bisher viel gesehen hätte, was das betrifft.  

Also, heiße Männer.

Denn hätte ich diesbezüglich Erfahrungen gesammelt, würde ich ja nicht hier sitzen und schwitzen, weil ich lüge wie gedruckt. 

Und es kommt mir vor, als ob er das ganz genau wüsste.

Als ob Vasco ganz genau wüsste, dass ich lüge und keinen blassen Schimmer davon habe, wovon ich hier eigentlich spreche, oder besser, dass ich mein Wissen nicht aus eigenen Erfahrungen gewonnen habe, sondern aus … einem Hauch von nichts.

Dabei ist das völlig unmöglich. Er kann das gar nicht wissen.

»Ms. Frigde? Wie sehen Sie das?«, fragt die junge Studentin der Talkrunde im Hörsaal der NYU und ihre Stimme reißt mich glücklicherweise von seinem Anblick los. 

Sofort kann ich wieder leichter atmen, und der Druck auf meine Brust nimmt ab, als würde De Santos allein mit seiner Erscheinung einen unsichtbaren Zauberbann auf seine Mitmenschen legen. 

Ich setze mich aufrecht hin, rutsche auf dem roten Samtsessel ein Stück nach vorne und schlage die langen Beine übereinander. Exakt so, dass die scharfe Bügelfalte in der Mitte ihres Knies aufliegt. Die Symmetrie bringt nämlich meine angespannten Nerven zur Ruhe. Sanft lege ich meine Hände darauf ab, streiche über die Kante der Falte und recke die Schultern. 

Ohne meinen Gegenspieler anzusehen, lächele ich die Studentin an und sammele mich für meine Antwort.

»Sehen Sie, July, das ist genau das, was ich meine. Sie können das in meinem Buch nachlesen, da ist Mr. De Santos typisches Verhaltensmuster für diese Art von Mann eins zu eins beschrieben«, sage ich und neben Julia schnaubt Vasco leise und belustigt. Der Blick der Studentin huscht zu ihm und ihre Wangen röten sich. 

Na, wunderbar! Fast bin ich versucht, mit dem Finger zu schnipsen, um die Aufmerksamkeit von July auf mich zurück zu lenken, die Vasco mittlerweile anschmachtet, als gäbe es kein Morgen mehr. 

»Die Wahrscheinlichkeit, dass Mr. De Santos alle diese Frauen im Bett befriedigt hat, ist sehr gering. Im Schnitt ist jeder dritte weibliche Orgasmus vorgetäuscht. Und das ist nur die statistisch erfasste Zahl«, sage ich stattdessen und damit habe ich das Interesse von July zurück. Mit großen Augen blinzelt sie mich an, ich rücke meine Brille zurecht und räuspere mich kurz, bevor ich fortfahre.  

»Wenn also Mr. De Santos, wie er behauptet, die letzten beiden Jahre mit über vierhundert Frauen Sex hatte, würde das in seinem Fall bedeuten, dass mindestens einhundertdreißig von ihnen keinen Orgasmus bei ihm hatten. Die Dunkelziffer ist mit Sicherheit weitaus höher«, schließe ich befriedigt und lehne mich in meinem Sessel zurück. Aus dem Augenwinkel sehe ich Vasco an, wie er sich seinerseits nach vorne beugt, die Arme lässig auf seinen Knien ablegt und sich July zuwendet. 

»Wenn Sie möchten, gebe ich Ihnen jede einzelne Telefonnummer von jeder einzelnen Frau. Rufen Sie sie an, July, und lassen sich von ihnen schildern, wie der Sex mit mir war. Was meinen Sie? Ist das ein Angebot?«, fragt Vasco mit seiner tiefen Stimme, die klingt wie ein samtiges Kissen, auf das man sich nach einem achtzehnstündigen Arbeitstag bettet. Sein Duft streift meine Nase, und auch der ist … einfach nur verführerisch. Teuer und exklusiv und so herb und gleichzeitig so frisch, dass man nicht anders kann, als an einen Wasserfall auf einer tropischen Insel zu denken, unter dem man vollkommen nackt steht. 

Das kalte Wasser prasselt auf mich herab und ist eine Wohltat in der schwülen Hitze, wie es über meinen Hals zu meinen Brüsten hinabläuft, meine hoch aufgerichteten Nippel benetzt, herunter zu meinem Bauchnabel und zwischen meine Beine rinnt und dort meine pochende Mitte …

Ich schlucke. 

Was denke ich denn da? 

Nervös zuckt meine Hand zu der Bügelfalte meiner Hose, meine Finger tasten daran entlang, quetschen diese zwischen Daumen und Zeigefinger, bis ich wieder bei mir bin. 

Herrgott, ich muss mich zusammenreißen! 

Mich nicht benehmen wie July, die auf ihrem Sessel so weit nach vorne rückt, dass sie Gefahr läuft, herauszuplumpsen und direkt auf Vascos Schoß zu landen. 

Mein Kopf fährt herum, mit zusammengekniffenen Augen mustere ich 

De Santos, der sich ganz auf July konzentriert. 

Wenn ich nicht einschreite, reißt sich die Studentin noch das Shirt über den Kopf und die zwanzig anderen weiblichen Zuhörer im Saal folgen ihr prompt.

»Mr. De Santos, Verzeihung, aber das ist doch unhaltbar, was Sie hier von sich geben! Das fällt unter Datenschutz! Diese Frauen wären alles andere als begeistert davon!«, sage ich spitz wie eine Gouvernante, Vasco wendet sich mir zu, legt den Kopf schief. 

Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich behaupten, die Linien seiner Lippen wären tätowiert. Besonders die Oberlippe ist so perfekt herzförmig geschwungen, dass Michelangelo sie nicht besser hätte malen können. 

Ich ertappe mich dabei, wie ich darauf starre, und rufe mich zur Raison. 

Ja und? Dann hat er eben einen schönen Mund! Haben Millionen von anderen Menschen ebenfalls. Das ist absolut nichts Besonderes! Ich könnte auf Anhiebt zehn Bekannte aufzählen, die … Vasco unterbricht meine Gedanken, indem er lacht. 

Auch das noch!

Es ist ein kehliges, kantiges, raues Lachen und doch so sanft und wohlklingend, dass es mir einen angenehmen Schauer über den Rücken jagt. July geht es wohl genauso, denn sie schüttelt sich unwillkürlich, als würde es sie frösteln. 

Und kaum habe ich dieses Geräusch verdaut, spricht Vasco und das samtige Kissen ist wieder da. 

»Oh, Ms. Fridge, glauben Sie mir, alle wären mehr als glücklich, von mir zu hören«, sagt er selbstsicher und sieht mich dabei direkt an. 

Er hat da so ein Grübchen. 

Wenn er den linken Mundwinkel hochzieht. Ein Grübchen, das seinen Wangen etwas Weichheit verleiht. Nicht zu viel, nur genau so viel, dass seine Konturen nicht mehr ganz so scharf erscheinen.

Faszinierend …  

Oder auch nicht! 

Gar nichts ist hier faszinierend! 

Das ist Hexerei! Schwarze Magie, Hokuspokus, eine astreine Sinnestäuschung, die De Santos hier treibt! 

July ist nur zu blind, um das zu erkennen. Umso besser, dass wenigstens ich den Überblick behalte und so dem Ganzen einen Riegel vorschieben kann!

»Sie lügen, Mr. De Santos. Und das tun Sie vermutlich aus einem einzigen Grund. Sie leiden vielleicht an sogenanntem Hypogenitalismus. Einem unterentwickelten Geschlechtsteil. Das ist in den meisten Fällen der ausschlaggebende Punkt, warum Männer wie Sie sich mit ungewöhnlich hohen sexuellen Erfahrungen brüsten. Um dieses Defizit zu kompensieren«, höre ich mich sagen und weiß im selben Moment, dass es totaler Quatsch ist. 

Ein hilfloser Schuss ins Blaue, der gründlich daneben geht. Wie soll es auch anders zu erwarten sein? 

Als einer der bekanntesten Playboys der Welt hat Vasco De Santos schon viel Häme und Spott einstecken müssen und er pariert meine Aussage galant und vernichtend.

»Ms. Fridge, Hypogenitalismus ist eine ernst zu nehmende Störung der Geschlechtsorgane, die man sicher nicht als Argument in einer feministischen oder sexualkundlichen Diskussion benutzt. Diese Menschen leiden unter der Unterfunktion ihrer Geschlechtsorgane, und sie würden es sicher nicht gutheißen, Gegenstand ihrer persönlichen Abneigung gegen mich zu sein«, sagt Vasco und der Punkt geht eindeutig an ihn. 

Ich spüre, wie sich die Schweißflecken unter meinen Achseln vergrößern und würde alles für einen Eiskübel geben, in den ich jetzt steigen könnte. 

Das wird Sky mir büßen. 

Schon vor Monaten habe ich ihr gesagt, dass sie nicht mehr mitmachen würde. Dass ich die Sache klarstellen würde. Aber Sky war unerbittlich und ganz ehrlich? Ich konnte mich noch nie wirklich gegen meine große Schwester durchsetzen.

Und offensichtlich auch nicht gegen diese dämliche Anfrage der NYU, die Gloria, die Verlagslektorin und Skys Mittelsperson, ohne mein Wissen angenommen hat. Als ich davon gehört habe, bin ich zwar so wütend geworden, dass ich mit dem Fuß aufgestampft habe, was Sky leider gar nicht sehen konnte, weil wir am Telefon gesprochen haben. 

Außerdem ist sie ja In L.A. 

Nicht in New York, wo die gesamte Literaturbranche kopfsteht wegen des Buches, das ich geschrieben habe.

Ein Tabubruch, der längst überfällig ist, titelte die New York Times.

Die Jeanne d´Arc der Fem-Bewegung, twitterte die größte feministische Vereinigung Amerikas. 

Andere Medienkanäle waren nicht so gnädig mit meinem Sexratgeber für Frauen, der seit Wochen auf Platz eins der Bestsellerlisten steht. 

Man schlug mir unter anderem vor, mich auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen, mich eine Woche lang auf eine Bohrinsel zu verbannen, damit ich erleben könnte, was Männer imstande sind zu leisten, mir einen Keuschheitsgürtel zu verpassen und den Schlüssel in den Hudson River zu werfen, und das alles nur, weil ich es gewagt habe, die prüde Männerwelt Amerikas aufzuscheuchen.

Dabei brächte es den Keuschheitsgürtel gar nicht. Ich bin so keusch wie eine Nonne. 

Und irgendwie habe ich immer noch das Gefühl, Vasco De Santos weiß das genau.

Der übrigens immer noch auf eine Antwort von mir wartet. Lässig zurückgelehnt, die Beine in dem maßgeschneiderten Anzug übereinandergeschlagen, mustert er mich, mustert er mein Gesicht, als wäre es das interessanteste, das er jemals gesehen hat.

»Ich …«, beginnt ich und die Bügelfalte ist längst keine Falte mehr. Ich knautsche und zwirbele sie, als würde mein Leben davon abhängen, und wahrscheinlich ist die Hose ruiniert, bis wir hier hier fertig sind. »Meine Äußerung hat … ganz und gar nichts damit zu tun, dass ich Sie nicht leiden kann, Mr. De Santos!«, sage ich viel zu schrill und überlege fieberhaft, wie ich mich aus dieser Ecke wieder herausmanövriere. »Und doch ist es eben … höchst unwahrscheinlich, dass Sie … also Sie als Person …«

July unterbricht mein überaus peinliches Gestammel, und ich weiß noch nicht, ob ich darüber dankbar oder verärgert sein soll.

»Mr. De Santos, warum tun Sie das? Warum haben Sie sich für eine Karriere als Playboy entschieden? In der heutigen Zeit? Das ist doch tatsächlich ein Affront gegen die Befreiung der Frau«, sagt July und ich nicke zustimmend.

Genau! Genau das ist es! Innerlich jubele ich über den brillanten Einwurf der jungen Studentin. 

Jetzt haben wir beide den arroganten Kerl am Haken!

»Genau das ist es ja eben nicht, July«, sagt Vasco ruhig und July und ich heben beinahe gleichzeitig die Brauen. Vasco lächelt leicht, verschränkt die langen, schlanken Finger und legt sie an seine malerischen Lippen, als würde er nachdenken. 

Im Hörsaal wird es mucksmäuschenstill, als würden alle den Atem anhalten. Als würden alle gespannt darauf warten, wie er dieses Argument widerlegen will. Auch meine Neugier lässt mich in meiner Spielerei an der Bügelfalte innehalten. 

Das ist doch die pure Effekthascherei, was dieser Mann hier betreibt! Warum sagt er nicht einfach, was- 

»Für Frauen gelten die gleichen Regeln wie für Männer. Sie dürfen Sex haben, so oft und mit wem sie wollen. Noch im letzten Jahrhundert war das vollkommen undenkbar, und Männer wie ich sind ganz klar Vorreiter dieser Bewegung, die Frauen die Möglichkeit gibt, ihre Sexualität ungehemmt ausleben zu können. Wir sind die wahren Helden, weil wir uns für diese Revolution zur Verfügung stellen. Ich bin allzeit bereit, die Damen, rufen Sie mich gerne an«, sagt Vasco in das Publikum hinein und ich schnappe nach Luft. 

Das ist der Gipfel der Unverschämtheit! 

Das und das Grinsen, das sich auf De Santos‘ Gesicht stiehlt, als ich impulsiv aufspringe und mit dem Finger auf ihn zeige. 

Dabei ist mir vollkommen klar, dass er genau das mit seiner Provokation beabsichtigt hat. Er will  mich aus dem Konzept bringen, mich aus der Bahn werfen, meine kühle Distanziertheit niederreißen, aber es ist mir egal! 

Dieser Mann braucht eine Lektion! 

Wie eine hysterische Xanthippe baue ich mich vor De Santos auf und genauso klinge ich, glaube ich, auch. Wie eine knöcherige, keifende Xanthippe. Trotzdem kann ich die Klappe nicht halten. 

»Männer wie Sie sind es, die Frauen immer noch kleinhalten! Wegen Ihnen, Mr. De Santos, gibt es Tausende junge Mädchen, die sich die Brüste vergrößern und die Nasen korrigieren lassen, weil sie sich so bessere Chancen auf dem Markt erhoffen! Sie sind kein Vorreiter, Sie sind ein Macho! Ein eingebildeter, selbstgefälliger, überheblicher Macho, der nichts anderes kann, als Frauen zu verführen und sie danach fallen zu lassen! Sie … Sie … vollkommen gemeiner Mistkerl! Sie verachten unser Geschlecht!«, schreie ich ihn an und mein Gesicht ist mit Sicherheit hochrot. Während meines Ausbruchs steht Vasco auf, stellt sich vor mich und blickt auf mich herab, weil er mich, trotz meiner ein Meter neunundsiebzig Körpergröße, um einen Kopf überragt. Das tiefe Braun seiner Augen glitzert beinahe schwarz, als er spricht.

»Ihre Beschuldigungen sind unter der Gürtellinie, Ms. Fridge«, sagt er laut, und sein Blick wandert demonstrativ in den Ausschnitt meiner Bluse und verweilt dort. 

Am liebsten würde ich ihm einen Kinnhaken verpassen, damit er seine Augen dahin lenkt, wo es schicklich ist, doch seine Stimme lähmt meinen Bewegungsapparat. Vasco beugt sich nach unten, dicht an mein Ohr, und flüstert. 

»Aber wissen Sie was? Genau da hätte ich Sie gerne. Unter meiner Gürtellinie. Auf den Knien. In wilder Ekstase und darum bettelnd, dass ich Sie von Ihrer Begierde erlöse«, wispert er und seine Lippen streifen dabei mein Ohrläppchen. Die Berührung ist so elektrisierend, dass ich erschauere. Ich hasse mich dafür, aber ich erschauere tatsächlich.

Vasco registriert es natürlich und lacht. Leise und glucksend, und das lässt meine Sicherungen nicht nur durchbrennen, sie verschmoren zu einem einzigen Klumpen schwarzen Gummis. Ohne nachzudenken, hole ich aus und meine Hand klatscht auf Vascos Wange. Es ist, als würde sie auf Stein schlagen. Er zuckt nicht einmal mit der Wimper. 

Dafür aber der restliche Hörsaal. Ein kollektiver Aufschrei ist zu hören, der mich ins Hier und Jetzt zurückholt. Erschrocken lasse ich meine Hand sinken, mache einen Schritt zurück und wanke prompt auf den hohen Schuhen. Ich bin kurz davor, vom Podium zu fallen, als De Santos mich am Ellenbogen fasst und mir Halt gibt. 

»Vorsicht«, sagt er, ich mache mich so vehement von ihm los, dass ich erneut strauchele. 

»Fassen Sie mich nicht an!«, fauche ich völlig überzogen und ich spüre, wie mir die Schamesröte über meine helle Haut zieht. Das ist die mir so bekannte Hitzewelle, die mich jedes Mal überkommt, wenn mir etwas unsäglich peinlich ist. Gleich werde ich krebsrot anlaufen, an jedem Stückchen Haut, das freiliegt. Als hätte man mich in einen Topf mit kochendem Wasser geworfen. Ich hasst das. Und ich hasse die Schweißperlen, die das Ganze begleiten und noch unterstreichen. 

Ich muss hier weg. Sofort. Sonst bin ich für immer und ewig die Frau, die im Hörsaal der NYU zu einer Pfütze zerflossen ist. 

»Das Gespräch ist hiermit beendet. Mit Ihnen diskutiere ich nicht mehr«, bringe ich gerade noch so heraus, dann stürme ich davon. 

VASCO

Zurück bleibe ich, ein murmelndes Publikum und eine peinlich berührte, lächelnde July. 

»Tja. Gibt es Fragen?«, sage ich in die Runde, um das Schweigen zu brechen und nehme wieder Platz. Eigentlich rechne ich nicht damit, ich sage es nur, um die Situation zu entspannen, doch entgegen meiner Erwartungen steht ein junges Mädchen zögerlich auf. 

»Ja?«, sagt July, die ihre Stimme wiedergefunden hat, und deutet auf die Frau, die nervös die Hände verknotet. 

Ich hingegen lehne mich im Sessel zurück, warte auf die Frage, die zweifelsohne die Unverschämtheit von Ms. Fridge betreffen wird. So die Kontenance zu verlieren ist wirklich erbärmlich. 

Ich wusste es. Ich wusste, dass ich diese Frau mit ihrem dämlichen Bestseller in Grund und Boden stampfen werde. 

Warum Männer glauben, immer oben sein zu müssen. 

Was, bitte, ist denn das für ein Buchtitel? 

Und überhaupt. Welcher Mann will denn beim Sex immer oben sein? Er verpasst ja das Beste! 

Nichts toppt den Ausblick auf eine Frau, die rittlings auf mir sitzt, das Gesicht in Erregung verzogen, die Brüste mit den steifen Nippeln im Takt wippend, ihre Schenkel, die erzittern, meine Hände an ihrem Becken, die sie noch näher an mich ziehen, damit ich noch tiefer zustoßen …

»Und im Grunde stimmt das ja, was Ms. Fridge sagt. Es ist Ausbeutung. Diese Frauen lassen sich ihre … ihre … Dings da vergrößern, einzig weil es den Männern gefällt«, sagt die Studentin und reißt mich damit höchst unsanft aus meiner Fantasie. 

Wie bitte? 

Ich runzele die Stirn, konzentriere mich auf die Frau, die mich fragend ansieht, und räuspert mich. »Nun«, sage ich, um Zeit zu gewinnen. »Ms.?«

»Rita. Sagen Sie einfach Rita, Mr. De Santos«, sagt die Frau und ein glückliches Lächeln über ihre aus ihrer Sicht geniale Frage erhellt ihr rundliches Gesicht. 

Ich seufze innerlich. 

Eine Unscheinbare. Eine, die so tut, als wäre ihr ihr Äußeres egal, dabei hängt sie am TV vor der Modenschau von Viktoria‘s Secret und der Sabber läuft ihr vor lauter Neid aus dem Mund.

Ich spüre, wie ich die Geduld verliere. Das zieht sich hier wie Kaugummi. Ist es nicht längst klar, dass ich hier der Gewinner bin? Immerhin ist die prüde Schnepfe, die nicht nur heißt wie ein Kühlschrank, sondern sich auch so benimmt, schon abgerauscht. Was genau mache ich dann eigentlich noch hier? 

»Mr. De Santos?«, hakt July nach und ich habe genug. 

»Ja. Hören Sie, Rita. Für mich hat sich noch nie eine Frau unters Messer legen müssen. Ich nehme alles. Klein, groß, rund, schmal, brünett, blond, rot. Es ist mir egal. Es geht um Sex, mehr nicht.«

In dem Moment, in dem ich es ausspreche, wird mir mein Fauxpas bewusst. Die Formulierung, höchst unglücklich gewählt. 

Verdammt! 

Das war die Ohrfeige vorhin!

Die hat mich total aus dem Konzept gebracht! 

»Oh«, macht Rita, und einen ganz kurzen Moment besteht die Chance, dass sie sich geschmeichelt fühlt. Der Gedanke daran, dass auch sie in mein Beuteschema fallen könnte, egal, wie klein, groß, rund oder schmal sie ist, bringt sie ganz kurz in die Versuchung, sich einfach wieder hinzusetzen und die Klappe zu halten. 

Doch ich freue mich zu früh. Eine andere Studentin zerstört die Möglichkeit, die Situation zu meinen Gunsten zu entscheiden. Sie steht auf und sie gehört ganz klar zu der Kategorie burschikos und maskulin. Kurze mausbraune Haare, buschige Brauen, Holzfällerhemd und eine praktische Cargohose. 

»Das ist echt das Respektloseste, das ich je von einem Mann gehört habe«, sagt sie und ich stöhne leise. 

Wenn das das Respektloseste ist, das ihr ein Mann jemals gesagt hat, dann war sie bis jetzt vielleicht taub? 

Schon bin ich versucht, es laut auszusprechen, als die Stimmung kippt. Wie bei einem Rockkonzert, bei dem die Tontechnik versagt, wendet sich der Mob gegen mich. Andere Frauen stehen auf, Buhrufe und Pfiffe werden laut, und ich habe genau den Salat, vor dem mich meine Schwester gestern am Telefon noch gewarnt hat. 

»Du Schwein! Du solltest kastriert werden!«

»Nieder mit dem Patriarchat!«

»Machos raus!«, brüllen sie plötzlich alle gleichzeitig, und an diesem Punkt beschließe ich, schleunigst zu verschwinden. 

Ich stehe auf, neben mir erhebt sich July ebenfalls, klatscht in die Hände und bemüht sich vergeblich um Gehör.

»Leute! Das ist eine Diskussionsrunde! Benehmt euch doch!«, ruft sie, aber die Dämme sind gebrochen. 

»Hier gibt es nichts zu diskutieren! Er ist einfach ein Arschloch!«, brüllt Frau Burschikos, dreht sich um und animiert ihre Kommilitoninnen zu neuerlichen Höchstleistungen. Es wird noch lauter, noch aggressiver, noch hitziger, und mit einem knappen Nicken zu July wende ich mich ab, um den Hörsaal zu verlassen. 

Die Beschimpfungen im Rücken, nutze ich nicht die Haupttür, sondern verdrücke mich in einen Nebeneingang, durch den July mich noch vor einer Stunde geführt hat. Hinter mir verstummt das Kreischkonzert, in mir brodelt die Wut.

Ja, sicher habe ich gewusst, auf was ich mich da einlasse.

Und ja, sicher ist es eigentlich blanker Selbstmord, sich als meine Person einer Gruppe studentischer Feministinnen zu stellen. 

Aber hey! Dieser scheißblöde Bestseller versaut mir schon seit Wochen den Schnitt! Diese bescheuerte Genevieve Fridge gefährdet meinen Ruf als excellenten Liebhaber! 

Und alles, was ich wollte, war, diese frigide Kuh in ihre Schranken weisen! Normalerweise fällt mir sowas leicht. Niemand fährt mir gegen den Karren. Seit Jahren bin ich gegen so etwas gewappnet, das muss ich schließlich sein als einer der bekanntesten Playboys der Welt!

Und dann kommt diese intellektuelle, unattraktive, unscheinbare Tussi und … und … bringt mich dermaßen aus dem Konzept? 

Wutschnaubend stürme ich den Flur entlang, und insgeheim weiß ich, warum das passiert ist. 

Genevieve Fridge ist weder unattraktiv noch unscheinbar. 

Sie ist heiß. 

Und genau mein Beuteschema. 

Weil sie es nicht weiß. Sie hat keinen blassen Schimmer, wie unfassbar heiß sie ist. 

Der akkurat geschnittene kastanienbraune Bob, der ihr beinahe königliches Gesicht umrahmt. Die hohen Wangenknochen, die gerade Nase, die vollen Lippen. Die riesigen Augen in einem hellen Blauton, der zarte Teint, die feinen Sommersprossen, die sie mit Make-up zu verdecken versucht hat. Die Brille, die sie sich immer wieder hektisch zurechtgerückt hat, der schlanke Hals, an dem ihre Ader gepocht hat, als sie nervös wurde. 

Und erst ihre Figur. Der Ansatz ihrer Brüste unter der feinen Seidenbluse. Die grazilen Knöchel in ihren High Heels, die schmale Taille. Jedes noch so kleine Detail habe ich registriert und katalogisiert, darin bin ich schließlich Profi. Und, verdammt, es hat ihm gefallen, oh, mehr als das! 

Aus jeder ihrer Poren strömte dieser Frau der Duft der Unberührbarkeit. 

Und das ist mein Elixier. Die Witterung, die ich nur zu gerne aufnehme und mittlerweile allzu selten in der Nase habe. Die meisten Frauen werfen sich mir ungefragt an den Hals, und auch wenn ich sie nicht von der Bettkante schubste, ist es mir, wenn ich ehrlich bin, zu leicht, zu langweilig geworden. 

Der Jagdinstinkt bleibt auf der Strecke, der Kick fehlt.

Aber nicht bei Frauen wie Genevieve Fridge, denen nicht einmal im Ansatz bewusst ist, wie sie auf Männer wirken. 

Das, und nur das, hat letztendlich zu dem Chaos im Hörsaal geführt, gestehe ich mir unumwunden ein. Ich bin ein Analytiker und halte wenig davon, mich selbst ins Bockshorn zu jagen. 

Die Frage ist nur, was ich jetzt mit dieser Erkenntnis anstelle.

Ich überlege noch, als ich ihre Stimme vernehme.

Abrupt bleibe ich in dem langen Gang stehen, luge um die Ecke. 

Genevieve lehnt mit dem Rücken zu mir an der Wand, ihr Handy am Ohr, ich ziehe mich zurück und lausche. 

»Sky, ich kann das einfach nicht mehr! Und ich will das auch nicht mehr! Ich steige aus! Die Wahrheit wird ans Licht kommen und dann…«, der Satz läuft ins Leere und Genevieve schnieft leise, als hätte sie geweint. 

Die Wahrheit? Was für eine Wahrheit? Meine Aufmerksamkeit gleicht der eines Luchses. Wovon redet sie da?

»Nein!«, sagt Genevieve vehement. »Du hörst mir jetzt mal zu! Ich habe keine Ahnung, wie wir da wieder rauskommen, aber ich werde keine öffentlichen Termine mehr wahrnehmen. Wenn wir so weitermachen, fliegen wir auf, ich garantiere es dir! Ich belüge die halbe Literaturwelt! Selbst Mr. De Santos hat mich heute angesehen, als wüsste er genau, dass ich keinen Satz in diesem Buch geschrieben, geschweige denn selbst erlebt habe! In keinem Fall werde ich ein zweites Buch machen!«

In mir klingelt der Jackpot. Laut und deutlich klingelt er und ich balle die Faust und unterdrücke einen Jubelschrei. Vorsichtig spähe ich erneut um die Ecke, und Genevieve streicht sich über die Stirn, ihre Stimme überschlägt sich, als sie spricht. »Nein, das können wir nicht tun! Vergiss es, Sky! Kein neues Buch! Ohne mich!«

Am anderen Ende des Handys höre ich jemanden erregt reden, und Genevieve krümmt sich bei dieser Verbalattacke, schließt die Augen und legt den Kopf in den Nacken. »Okay«, sagt sie resignierend. »Ja. Ja, lass und das ein andermal besprechen. Ich muss jetzt erst einmal nach Hause und … ja. Ja, Sky. Nein, ich werde dir das nicht antun. Ist gut. Bis dann«, beendet Genevieve das Telefonat matt, und das ist mein Startsignal, in den Gang zu treten.

Diese Heuchlerin! Ich wusste es! 

Ich habe es gerochen, dass diese Frau niemals all das getan haben kann, was sie in ihrem Bestseller so überaus deutlich beschreibt. Niemals! 

Absichtlich laut schnaube ich, Genevieve wirbelt bei dem Geräusch herum.

»Was?«, fragt sie verblüfft und Entsetzen legt sich über ihre Gesichtszüge. Sie lässt das Telefon sinken und starrt mich an. Langsam beginne ich zu klatschen.

»Ene, mene, muh, und raus bist du«, sage ich leise und grinse dabei triumphierend.

»Wie bitte?«, sagt Genevieve, und es gelingt ihr nur mäßig, das Zittern in ihrer Stimme zu verbergen. 

Die Hände in den Hosentaschen, schlendere ich auf sie zu, bleibe dicht vor ihr stehen.

»Ich dachte mir so was schon«, sagt ich.

»Sie können denken?«, gibt Genevieve erstaunlich schlagfertig zurück und reckt das Kinn. 

»Sie würden sich wundern, was ich alles kann. Zum Beispiel kombinieren«, erwidere ich, hebe eine Braue und einen Mundwinkel und rücke noch näher an Genevieve heran, die unwillkürlich zurückweicht, bis sie die Wand im Rücken hat.

»Ich belüge die halbe Literaturwelt kombiniert mit Ich habe keinen Satz in diesem Buch geschrieben ergibt für mich eine hervorragende Ausgangsposition.«

Genevieve beißt die Zähne zusammen, ihre Augen verengen sich.

»Ich habe keine Ahnung, warum Sie sich plötzlich für Sherlock Holmes halten, aber lassen Sie sich eines gesagt sein! Sie haben nicht mal ansatzweise die Klasse und den Intellekt, den Sie dafür brauchen würden. Und jetzt lassen Sie mich gefälligst vorbei!«, stößt sie hervor und feine Schweißperlen stehen auf ihrer Stirn. 

Ich hingegen bin die Ruhe in Person. 

Jetzt habe ich die Frau nämlich am Haken. 

Und da lasse ich sie nicht so schnell wieder los.

* * *

Genevieve

 

Oh Gott! 

Das ist der totale Supergau, den ich hier ausgelöst habe. Nur weil De Santos mich so auf die Palme gebracht hat! Normalerweise bin ich die Vernunft in Person! Ich tue in der Regel nichts, ohne vorher das Für und Wider abzuwägen. Erst denken, dann reden ist meine Devise! 

Eigentlich. 

In Gegenwart dieses Mannes ist das wohl nicht gerade meine Stärke. Sonst hätte ich ihn ja nicht vor den ganzen Studentinnen angeschrien wie eine Furie und wäre nicht wie ein kopfloses Huhn aus dem Hörsaal gerannt. Und vor allem hätte ich nicht sofort aus lauter Verzweiflung hier in diesem Gang Sky angerufen und so mir nichts dir nichts ihr bestgehütetes Geheimnis ausgeplaudert. Ich könnte mich ohrfeigen, aber dafür ist es jetzt ganz eindeutig zu spät.

Wider Erwarten macht mir Vasco tatsächlich den Weg frei und ich springe förmlich an ihm vorbei. Ich muss aussehen wie eine Gazelle, die vor einer Hyäne flüchtet, und genau so fühle ich mich auch. Weil dieser Vasco auch eine Hyäne ist, wie er mit seinen nächsten Worten beweist. 

»Wo wollen Sie denn so schnell hin, Ms.Fridge? Wir sind doch noch gar nicht fertig«, sagt er mit seiner Samtkissenstimme und ich erstarre. Dann wirbele ich herum und balle die Hände zu Fäusten. Mein ganzer Körper spannt sich an, auf der Suche nach der absolut perfekten Antwort. 

Meine Erwiderung muss ihm komplett den Wind aus den Segeln nehmen, ihm den Garaus machen, wenn ich meine Ruhe vor ihm haben will. Es muss ein unschlagbares Argument sein, ein Riegel aus Stahl, vor seinen Mund geschoben, oder besser noch ein Zaubertrank, der ihn die letzte halbe Stunde vergessen lässt. 

Wenn ich doch nur Joanne K. Rowling wäre! Dann könnte ich den jetzt schnell erfinden und das ganze Kapitel würde eine vollkommen neue Wendung nehmen. 

Weil ich die aber nicht bin, stammele ich hilflos vor mich hin. »Das … Sie … sind … «, bringe ich hervor, dann stoße ich ein »Arghh«, aus und stampfe ernsthaft mit dem Fuß auf.

Mit dem Fuß aufstampfen! Als wäre ich ein Kind auf dem Spielplatz, dass sein Sandspielzeug zurückhaben will. »Sie liegen falsch. Lassen Sie mich in Ruhe!«, fauche ich und ja! 

Das ist einfach nur … genial daneben. Etwas Lahmeres und Unqualifizierteres hätte mir kaum einfallen können.

Vasco sieht das wohl exakt genauso, denn er hat nur ein müdes Lächeln für mich übrig. Mir doch egal. 

Ich drehe mich weg und will verschwinden, als er mich am Amt packt und stoppt.

»Hey!«, protestiere ich, als er mich zu sich heranzieht und mich so zwingt, mich zu ihm umzudrehen. Meine Nasenspitze prallt an seine Brust, und der Duft seines Parfüms hüllt mich ein, als hätte ich mich heute morgen damit eingesprüht. 

Unwillkürlich schnuppere ich, und sofort stehe ich wieder unter diesem Wasserfall auf dieser tropischen Insel, nackt und urtümlich, und erst der feste Griff von Vasco an meinem Oberarm macht deutlich, dass ich mich hier keineswegs in meinem persönlichen  Sommertraum befinde.

Sondern in der Hand eines sehr entschlossenen Vasco De Santos.

»Ich sage Ihnen jetzt mal, was passieren wird. Sie werden in diesen Hörsaal zurückgehen und sich für Ihren Ausbruch mir gegenüber entschuldigen. Sie werden meine Reputation wiederherstellen und mich in einem guten Licht dastehen lassen. Ansonsten ist mein nächster Gang der zum New York Star. Dort werde ich dann mal ausplaudern, dass Ihr einwandfreier Bestseller ein einwandfreies Plagiat ist«, knurrt er auf mich herab, und irgendwie ist er kein Samtkissen mehr, sondern etwas, das dem Nagelbett eines Fakirs ähnelt. 

Ich hingegen bin innerlich ein Häufchen Elend. 

Weil ich aufgeflogen bin.

Das Spiel ist aus.

Ich kann meine Sachen packen und gehen. 

Was soll’s. 

Ich wollte sowieso reinen Tisch machen. Im Lügen war ich schon immer grottenschlecht und der psychische Druck droht mich langsam aber sich zu zerbrechen, wie ich die letzten Wochen gemeckert habe. Doch dann denke ich an Sky. An die Folgen, die das für meine Schwester haben wird, wenn der Schwindel auffliegt. Wenn Walt von der Sache erfährt. Und an meine drei süßen Nichten und Neffen. 

Was geschieht, wenn bekannt wird, dass Sky diejenige ist, die ihre sexuellen Erfahrungen zwischen zwei Buchdeckel gepackt hat, um sie der Welt zu präsentieren und nicht ich? 

Ich will mir gar nicht ausmalen, was für einen Spießrutenlauf die Kids in ihrer Schule ertragen müssten. Ganz zu schweigen von den Folgen für Skys Ehe. Für Walts Amt als Priester in der kleinen Gemeinde. Sky ist der festen Überzeugung, niemand würde mehr seine Kirche besuchen, wenn die Menschen wüssten, wen er da geheiratet hat. Welche promiskuitive Vergangenheit Sky in Wahrheit hat. 

Ich beiße mir auf die Lippen und verwünsche zum tausendsten Mal den Tag, an dem ich in dieses Projekt eingewilligt habe. Ich verwünsche die Abhängigkeit von meiner Schwester und ich verwünsche Vasco De Santos, der mich immer noch anfunkelt. Ich hole Luft, sammele meinen ganzen Mut und recke die Schultern. 

»Das werde ich ganz sicher nicht tun, Mr. De Santos. Sie haben mich völlig missverstanden. Außerdem war das ein privates Telefonat, und Sie haben kein Recht, mich zu belauschen. Sie sind und bleiben ein Mann, der Frauen ausbeutet! Ein Sexist und ein Chauvinist, und ich werde Sie-«

Eine heitere Stimme unterbricht mich. 

»Ach, hier sind Sie beide!«, tönt es hinter Vascos Rücken. Es ist July. »Alles in Ordnung?«, fragt sie, weil De Santos mich immer noch an die Wand drängt und seine Hand meinen Oberarm umfasst. Mit gefährlich blitzenden Augen lässt er mich abrupt los,  zaubert sich ein gewinnendes Lächeln auf die Lippen, als könnte er keiner Fliege etwas zu leide tun und dreht sich dann um. 

»July! Ich habe Ms. Frigde nach dem Ausgang gefragt. Dieses Gebäude ist so riesig«, sagt er charmant und geht mit ausgebreiteten Armen auf die Studentin zu. 

Ich lasse langsam den angehaltenen Atem entweichen, mein Herz klopft wild in meiner Brust. 

»Oh! Ich kann Ihnen zeigen, wo es langgeht«, sagt July eindeutig zweideutig, und genau so sieht sie auch aus, als ich es endlich schaffe, meine Aufmerksamkeit auf die Studentin zu lenken. 

Langsam läuft Vasco auf July zu, die sich am Kragen ihrer Bluse herumnestelt, als wäre ihr auf einmal heiß geworden, und vor meinen Augen verwandelt sich De Santos in den Jäger und July in die Beute. 

»Das wäre ganz wunderbar, July«, erwidert er lang gezogen, als er vor ihr steht und auf die junge Frau herabsieht. July legt kokett den Kopf in den Nacken, leckt sich über die Lippen und ein Schleier der Bewunderung zieht über ihr Gesicht. Unbewusst fasst sie sich mit der Hand an ihre Kehle, Vasco neigt sich ihr zu, als würde er gleich ihren Hals liebkosen wollen, und ich bin irgendwie raus.

Entweder haben die beiden meine Anwesenheit ausgeblendet oder es ist Ihnen in ihrem offensichtlichen Flirt egal. 

Mir jedenfalls ist es nicht egal. Es ist meine perfekte Gelegenheit, mich aus dem Staub zu machen. Vielleicht besänftigt der Flirt mit July Vascos Wut auf mich. Und wenn ich ganz viel Glück habe, vergisst der Mistkerl vielleicht einfach, was er eben im Gang gehört hat. 

Leise mache ich ein paar Schritte rückwärts, bis ich um die Ecke biegen kann. Mit einem letzten Blick zurück kann ich gerade noch erkennen, wie Vasco seine Hand an der Wand abstützt und so noch näher an July heranrückt, die ihn ihrerseits verzückt anlächelt. 

Und für einen kurzen Moment stelle ich mir vor, ich wäre July. 

Ich stelle mir vor, wie Vasco sich zu mir beugt, seine dunklen Augen mich fixieren, sein Mund vor meinem schwebt, sein Geruch mich benebelt. 

Es muss köstlich sein. 

Einfach köstlich, ihm so nah zu sein. 

Sodass man sich nicht einmal anstrengen muss, das Knie hochzureißen und ihn genau da zu erwischen, wo er es verdient hätte.

Ein kleines Grinsen stiehlt sich auf meine Lippen.

»Mr. De Santos!«, hört ich July noch gespielt empört hauchen und im Weggehen verrolle ich die Augen. 

Es scheint nur für sie eine angenehme Vorstellung zu sein. 

VASCO

Die kleine Studentin ist leichter zu knacken als eine Erdnuss. 

Ich brauche nicht einmal zwei Minuten, um meinen Mund an ihren zu bringen, meine Hand an ihre Taille, meine Zunge an ihre. 

Und auch wenn mich ihre unverzügliche Kapitulation erregt, trägt das Ganze einen faden Beigeschmack. Es ist einfach zu einfach. 

»Wollen wir woanders hingehen?«, fragt July atemlos unter meinem Kuss, während ihre Hände mein Hemd aus dem Hosenbund zerren. Sie drückt ihren Körper an meinen, ganz deutlich spüre ich ihre Brüste mit den aufgestellten Nippeln an meiner Brust, eigentlich eher an meinem Bauch, weil July so viel kleiner ist als ich. Ihre Zunge umspielt meine, wild und schnell, ihre Finger streicheln meine Rückenmuskeln, sie seufzt auf, als ich mich zurückziehe. 

»Wohin willst du mich denn entführen?«, frage ich rau, und mein Fingerknöchel streicht über ihr Schlüsselbein zum Ausschnitt ihrer Bluse und dem Rand ihres BHs. July schließt genüsslich die Augen, als ich die weiche Rundung ihrer rechten Brust nachfahre, ihr Kopf sinkt gegen die Wand. 

»In eine Abstellkammer? Würdest du es dort mit mir machen?«, fragt sie und ihre Stimme ist eine Mischung aus verrucht und kindlich. 

Ich lache leise. Jetzt wird es doch interessant. In einer Abstellkammer in einem öffentlichen Gebäude, das wäre auch für mich neu. Und aufregend. Die Gefahr, von jemandem erwischt zu werden, gepaart mit Julys Hingabe, der sogar das egal zu sein scheint, facht mein Feuer zumindest genügend an, dass sich mein Schwanz regt.

Ich neige den Kopf, meine Lippen finden die Kurve ihres Nackens, fahren dort an ihr Ohrläppchen. »Ich würde es überall mit dir machen. Auch in einer Abstellkammer«, sage ich und July erschauert unter meinen Worten. 

»Oh Gott! Du bist echt so heiß!«, stöhnt sie und, ach Gott! 

Das weiß ich ja.

Das müsste der Satz sein, den ich bis jetzt in meinem Leben am meisten zu hören bekommen habe. Aber es ist auch der Satz, der mir das Spiel eröffnet. Ab diesem Zeitpunkt ist klar, dass die Frau unter, neben oder über mir keinen Rückzieher mehr machen wird und ich mein ganzes Können unter Beweis stellen kann.

»Lass uns gehen«, sage ich deshalb und greife nach Julys Hand. 

Die reißt plötzlich die Augen auf, schielt an mir vorbei und sagt etwas, das mich zunächst irritiert. 

»Hast du das?«, fragt sie und rückt von mir ab. 

Ich drehe mich um.

Da steht Frau Burschikos. Mit ihrem Handy in der Hand, breitbeinig wie ein Mann und triumphierend grinsend. 

Moment, wer hat hier was?, frage ich mich, bis Burschikos nickt. 

»Alles, bis ins kleinste Detail«, sagt sie und dann fällt bei mir der Groschen.

Ich mache zwei Schritte rückwärts, streiche mir durch die dichten dunklen Haare und werfe den Kopf zurück. 

»Verdammt. Ihr seid echt gut«, sage ich und grinse schief. Mit zusammengekniffenen Augen blicke ich erst zu July, die sich die Bluse wieder zurechtzupft, dann zu Burschikos. »Ihr seid ein Paar, oder?«, fragt ich, verschränke die Hände im Nacken. 

»Ja. Sind wir. Ich stehe null Komma null auf Männer. Und auf jemanden wie dich schon gar nicht«, antwortet July, läuft auf ihre Freundin zu, die ihr Handy wegsteckt. Vor meinen Augen zieht Burschikos July an sich und drückt ihr einen Kuss auf den Mund. 

Ich lache schnaubend. »Ich hab‘s kapiert, okay?«, sage ich und kann nicht fassen, wie blind ich war. Normalerweise rieche ich so einen Braten zehn Kilometer gegen den Wind. 

Heute nicht. 

Heute hatte ich Genevieves Duft in der Nase, die feine Mischung aus Rühr mich nicht an und Erobere mich bitte, und das hat mir den Instinkt geraubt. Ich war kein Raubtier, ich war hier die Beute, und das alles nur wegen dieser Frau.

Kurz schließe ich die Augen, schüttele den Kopf über meine Dummheit, dann öffne ich sie wieder und puste die Luft aus.

»Und?«, unterbreche ich den immer noch andauernden Kuss zwischen July und ihrer Freundin. »Was macht ihr jetzt mit dieser Aufnahme?«

Eine dämliche Frage. Eine sau dämliche Frage.

Sie werden sie natürlich verwenden, um mich in Grund und Boden zu stampfen. Und ich kann nicht einmal mit meinem Charme punkten, weil der an den beiden abprallen würde wie ein Flummi vom Asphalt. 

July wendet sich an mich. 

»Das Video wird in jedem Fall unseren Artikel in der Unizeitung bereichern. Online, versteht sich. Wäre zu schade um die schönen Aufnahmen«, sagt sie lässig, und ich weiß, jedes Wort von mir wäre eines zu viel. Es würde mich zum Bettler machen, zu einem armen Würstchen, zu jemandem, der seine selbst gewählte Lebensweise verleugnet.

Deswegen lasse ich kommentarlos die Arme sinken, stecke mein Hemd wieder in die Hose, richte die Bündchen an meinen Handgelenken, knöpfe mir das Jackett zu. 

Als ich fertig bin, sehe ich zu July, die nicht einmal den Anstand hat, wenigstens ein bisschen verlegen zu wirken. 

»Gut gespielt, Püppchen«, sage ich.

»Ich bin kein Püppchen«, gibt July zurück, die alles Weibliche verloren hat. Jetzt sieht sie aus wie die Rächerin aller unterdrückten Frauen, und fast erwarte ich, dass sie sich den Arm abschneidet wie diese Amazonen, die das getan haben, damit sie den Bogen besser anlegen können. 

»Ich meine diese Puppen, die an diesen Fäden hängen«, sage ich, bewege die Finger in der Luft. »Marionetten heißen die, glaube ich. Das bist du doch? Ihre Marionette?« Ich nicke zu Burschikos, die mich zornig anfunkelt. 

»Ist sie nicht! Sie ist frei und selbstständig!«, faucht die mich an, was mich amüsiert auflachen lässt. Ich konzentriere mich aber weiterhin auf July. 

»Sie hat dir gesagt, dass du das tun sollst, oder? Mich verführen, mich küssen, mich befummeln? Oder war es umgekehrt? War sie so selbstlos, sich zur Verfügung zu stellen, und du hast ihr diese unbestritten unangenehme Aufgabe abgenommen?«, säe ich den Zweifel in Julys Gedanken. 

Meine Strategie hat Erfolg. July runzelt unwillkürlich die Stirn, blickt zu ihrer Freundin, die einen abfälligen Laut ausstößt.

»Wir teilen uns den Kampf gegen Typen wie dich!«, sagt sie überzeugt, doch July sieht das anscheinend anders. Sie legt den Kopf schief, mustert Burschikos. 

»Also, irgendwie hat er recht«, sagt sie und Burschikos wirbelt herum.

»Wie meinst du das?«

»So, wie ich es sage. Die blöden Aufgaben bekomme immer ich.«

»Das ist nicht wahr!«

»Doch. Ist es. In dieser Bar, als wir den einen Kerl drankriegen wollten, da hast du auch mich vorgeschickt. Und er hat nach Burgern und Zwiebeln geschmeckt, Didi! Nach Fleisch!«

Ich habe beinahe Mitleid. Vegetarier und homosexuell? Wie viele Randgruppen kann ein Mensch bedienen?

»Aber wir hatten uns doch geeinigt!«, versucht es Burschikos.

»Nein! Du hast das vorgegeben. Tu nicht so, als ob wir abgestimmt hätten!«

»Was? Du hättest ja was sagen können!«

»Du hättest ja auch sehen können, dass es mich anekelt? Schließlich bist du meine engste Vertraute!«

»Entschuldige mal! Irgendwie hatte ich gerade eben den Eindruck, dass es dich bei ihm hier nicht besonders geekelt hat. Ehrlich gesagt sah es aus, als würde es dir sogar ziemlich gut gefallen.«

July schnappt nach Luft, ich grinse in mich hinein. Burschikos und ich sind einer Meinung. Kurios. 

»Das … hat es … nicht! Es war …«, stammelt July.

»Was? Was war es?«, fragt Burschikos, und weil ich im Gegensatz zu den beiden Streitenden Privatsphäre respektiere, gehe ich.

Ich rücke mein Jackett zurecht, und mit den keifenden Frauen im Rücken verlasse ich das Gebäude, aus dem ich problemlos den Ausgang finde.

* * *

Nach einem exzellenten Abendessen und einigen Drinks in einer angesagten Bar hält das Taxi vor meinem Hotel auf der Upper Eastside. Ich entlohne den Fahrer mit einem großzügiges Trinkgeld und steige aus.

Peter, der Portier, hält mir die Tür auf, grüßt mich freundlich. 

Ich durchquert die Eingangshalle mit dem spiegelblanken Marmor, gedämpfte Klaviermusik dringt aus der Bar zu mir. Zu der späten Stunde sind nur noch wenige Gäste anwesend, einsame Gestalten, die den Tresen bevölkern und erwartungsvoll in ihre Drinks starren.

Sie sitzen da und warten. Jeden Abend, jede Nacht. 

Immer sind es andere, immer hoffen sie auf das Gleiche.

Auf die große Liebe. Auf den einen Menschen, der die Leere in ihnen füllt.

Der oder die eine, der sie komplett machen soll.

Damit sie nicht mehr warten müssen.

So ein Schwachsinn.

Denn den gibt es nicht. Das ist ein Ammenmärchen, eine Legende, die Mütter ihren Töchtern kurz vor dem Zubettgehen einflüstern, eine Illusion, die Väter an ihre Söhne weitergeben und die nur Schall und Rauch ist. 

Niemand kann einem anderen Menschen das geben, was ihm ganz offensichtlich fehlt. Entweder er sorgt selbst dafür oder Hopfen und Malz sind verloren. 

Warum sie das einfach nicht verstehen wollen?

»Mr. De Santos. So alleine heute?«, fragt Malcolm, der Mann, der die Nachtschicht an der Rezeption übernimmt. Er ist Ende sechzig, gerade Großvater geworden und war früher ein Cop. Seine Geschichten über seine Familie sind unterhaltsam und sein Humor ist trocken wie das Death Valley. Ich schätze diesen Mann, der immer für einen Plausch gut ist, bleibe stehen, lehne mich an den Tresen. Das mache ich oft, wenn ich ohne Begleitung erscheine.

Und wenn kein Betriebt ist, so wie jetzt, gehen Malcolm und ich durch den Notausgang nach draußen, Malcolm zündet sich eine Zigarette an und wir unterhalten uns. 

Auch heute nickt Malcolm zur Tür und wir verdrücken uns.

Im Hinterhof dringen die Geräusche der New Yorker Nacht zu uns. Sirenengeheul, Verkehrsrauschen, vereinzeltes Lachen und das Stimmengewirr der Nachtschwärmer. 

Malcolm zückt sein Päckchen, fischt eine Zigarette heraus, zündet sie an und inhaliert genüsslich.

Er hält mir die Packung hin, ich überlege kurz, bevor ich mich bediene.

»Ausnahmsweise«, sagt ich und Malcolm grinst, als er mir Feuer gibt.

Eine Weile rauchen wir schweigend, bis Malcolm die Stille bricht.

»Kein Glück gehabt?«, fragt er und meint eine Frau.

Natürlich kennt er mich. Aus den einschlägigen Medien. Er weiß um meinen Ruf und hat mehr Damen in meinem Penthouse ein- und ausgehen sehen, als er Lebensjahre auf dem Buckel hat.

»Hat sich nicht ergeben«, sage ich und blase den Rauch in die Luft.

Das stimmt nicht. Es gab mehr als eine Gelegenheit heute Abend, ich habe sie nur nicht genutzt. 

»Ist das nicht schädlich für Ihren Schnitt?«, fragt Malcolm, und nicht zum ersten Mal frage ich mich ob der ältere Mann meinen Lebensstil bewundert oder belächelt. 

»Wie man es nimmt«, sage ich kryptisch.

Ja.

Wie nehme ich es denn? 

Wie genau ziehe ich meine Tagesbilanz?

Eigentlich war es verschwendete Zeit. 

»Meine Enkelin hat heute Geburtstag. Sie ist zwei geworden«, wechselt Malcolm das Thema und unterbricht meine Gedanken. 

»Herzlichen Glückwunsch!«, sage ich ehrlich erfreut.

Malcolm schmunzelt stolz. »Ihre Torte hatte die Form eines Pferdes mit einem Horn. In allen Farben des Regenbogens. Meine Tochter hat die ganze Nacht gebacken.«

»Das klingt gut. War es eine schöne Feier?«, frage ich Malcolm. Seine Enkelin ist ein blonder Engel mit Pausbacken und goldenen Locken, wie ich von Fotos weiß.

»Oh, es war wunderbar! Sie hatten diesen Pool im Garten mit einer kleinen Wasserrutsche und die Kinder waren ganz verrückt danach«, sagt Malcolm und lacht dabei. »Wollen Sie mal sehen?«, fragt er, ich nicke. Malcolm holt sein Handy hervor und scrollt durch die Bilder. 

Da ist Malcolms Tochter, die in die Kamera lacht, sein Schwiegersohn am Grill, wie er die Burger wendet, Malcolms Frau, die eine Salatgabel in seine Richtung reckt und herzlich grinst. Und Winnie, Malcolms Enkeltochter. Sie patscht mit ihren Händen in der Torte herum, die tatsächlich in allen Farben leuchtet. 

Ich sehe mir die Bilder an und kommentiere an den richtigen Stellen mit den richtigen Worten. 

Bis wie durch sind, haben wir zu Ende geraucht. 

Ich mache einen letzten Zug, drücke die Zigarette an der Hauswand aus und klopfe Malcolm auf den Rücken. 

»Sie sind gesegnet, Malcolm«, sage ich, und mein einziger Gesprächspartner in den nächtlichen Stunden nickt zustimmend, als er sein Handy wegsteckt.

»Ja. Das bin ich. Vermissen Sie das nicht, Mr. De Santos? Familie? Eine Frau? Eine Ehe?«, fragt er und wirft seinen Stummel in einen Abfallkorb. 

Und nur Malcolm darf mich so etwas fragen. Nur ihm lasse ich das durchgehen. Weil Malcolm mir seine Familie zeigt. Ohne Zweifel das Kostbarste, was dieser Mann besitzt.

Ich verneine auf seine Frage. 

Zu schnell und zu vehement.

Malcolm lächelt.

Zu wissend und zu weise.

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