Leseprobe zu Cruel Boss

Lesezeit: 30-40 Minuten

Kapitel 1: Alessio

Sie war schön. Nicht auf die Art und Weise wie Frauen in Filmen, Magazinen oder auf Plakatwänden dargestellt wurden, als dumme Blondchen mit makelloser Haut und einem bräunlichen Teint, sondern anders. Schöner. Weniger gewollt. Es sah fast so aus, als wüsste sie nicht, wie perfekt ihre bläulichen Haare im Schein der Diskokugel leuchteten, wenn sie die Strähnen beim Tanzen zurückwarf. Dabei waren alle Augenpaare auf sie gerichtet. Keiner der Typen im Crack konnte wegsehen, während sie sich über die roten Lippen leckte und den Kopf in den Nacken warf. Ihre Wangen waren gerötet, die Augen genüsslich geschlossen. Es war ein Bild der Perfektion, wie ich es noch nie gesehen hatte. Dabei hatte ich schon so viele Frauen in diesem Club abgeschleppt, die am Ende des Abends alle mit demselben Gesichtsausdruck vor mir standen. Wobei, das stimmte nicht ganz. Etwas fehlte zur Perfektion. Mein Sperma, das ihr aus dem Mundwinkel lief. Und sie hatte zu viel an. Das Kleid aus Glitzersteinen schmiegte sich zwar wie eine zweite Haut an ihren Körper, aber ich hätte nichts lieber getan, als sie nackt tanzen zu sehen. Mit meinem Schwanz, der tief in ihr vergraben war. Fuck, allein diese feuchten Lippen würden mir für die nächsten Wochen als Wichsvorlage reichen, aber dann öffnete sie auch noch den Mund und lachte. So laut, dass es sogar über die Musik zu hören war. Es klang rein, unverfälscht. Und dennoch haftete darunter ein trauriger Ton, als würde sie sich nach irgendetwas sehnen. Sofort wurde mein Schwanz hart. Mein Blut pumpte durch meine Adern und schoss in meine Lenden. Wie es wohl klingen würde, wenn sie stöhnte? Würde die Sehnsucht in ihrer Stimme vergehen, wenn ich tief in ihr war und sie ihren Kopf zur Seite warf, um mit geweiteten Augen nach mehr zu schreien? Die Vorstellung sorgte dafür, dass ich den ersten Tropfen meines Saftes in meiner Boxershorts verteilte. Fuck, mein letzter Sex war schon viel zu lange her, aber Dom und Antonio würden mich lynchen, wenn ich noch länger wegblieb. Dennoch fiel es mir unendlich schwer, den Blick von ihr abzuwenden.

Eigentlich wollte ich nur Getränke für die beiden holen, während sie auf das Arschloch warteten, das es gewagt hatte, uns registrierte Waffen anzudrehen. Das hätte nur Sekunden gedauert, doch nun stand ich schon Minuten da und starrte die junge Frau an, die keine Ahnung hatte, in welcher Gefahr sie sich befand. Wie eine Gazelle, die nicht ahnte, dass ein Löwe sie beobachtete. Wartend. Zähnefletschend. Bereit, sie zu erlegen. Jede Bewegung, jedes Kreisen ihrer Hüften brachte mich dazu, sie noch mehr zu wollen. Sie forderte es geradezu heraus, doch gleichzeitig hob sie den Kopf und lächelte unschuldig in meine Richtung. Graue Augen trafen mich. Sie sahen aus wie Silber, das sich unter der Hitze meines Blickes verflüssigte und sich in alles formen lassen würde. Anders als die Besitzerin dieser Seelenspiegel, da war ich mir sicher. Ihr ganzes Aussehen zeigte, dass sie sich nicht darum scherte, was andere wollen. Angefangen von den Piercings, über die Tattoos bis zu ihren flippigen Haaren. Sie ließ sich von der Gesellschaft nicht verbiegen, doch ich betete für sie, dass sie bei mir weniger starr sein würde, sonst müsste ich so viel Druck aufbauen, dass sie in meinen Händen zerbrach.

Sie warf den Kopf zurück, stemmte ihre Hände in die Hüfte und kreiste erneut mit dem Becken, bevor sie die Arme in die Luft warf und einer Frau antwortete, die nicht weit von ihr entfernt stand. Gegen die Blauhaarige war sie unscheinbar und passte noch weniger in dieses Drecksloch von einem Club. Verwirrt legte ich den Kopf schief. Es sah aus, als würden sie streiten. Grundsätzlich könnte es mir egal sein, doch ich war nicht der Einzige, der die beiden beobachtete und sie würden selbst zu zweit ein Problem dabei haben, lebend aus dem Club zu kommen. Oder ohne mehrfach vergewaltigt zu werden. Einige der gierigen Blicke verursachten sogar mir eine Gänsehaut. Besonders Henry Santis schien ein Auge auf die beiden geworfen zu haben. Welche von beiden er wohl wollte? Wenn wir keine Feinde wären, würde ich ihm ja glatt anbieten, sie zu teilen, doch stattdessen würde ich ihm eine Kugel in den Kopf jagen, wenn er sie auch nur anfasste.

»Willst du hier Wurzeln schlagen?« Eine Stimme riss mich aus meiner Starre. Ich hatte die beiden angestarrt, ohne es wirklich zu wollen. Dom hörte sich wütend an. Brummend. Wie das Grölen eines Motors, bevor jemand das Gas durchdrückt, obwohl kein Gang eingelegt ist.

»Bitte?« Mein Kopf ruckte zu Domenico, der mit Antonio im Schlepptau vor mir stand und mich grimmig ansah. Seine Augenbraue war erhoben und die Gesichtszüge ausdruckslos. Ich schluckte. Fuck! Wie lange hatte ich hier in der Gegend herumgestanden? Viel zu lange augenscheinlich, wenn meine Halbbrüder das Gefühl hatten, mich holen zu müssen. Zerknirscht ließ ich die Schultern sinken. Kein Wunder, dass die beiden die Mafia von Padre übernehmen würden und mich keiner in Betracht zog, wenn ich bei einem Waffendeal mit meinem Schwanz dachte.

»Scheiße, alles klar?«, fragte Antonio und legte seine Stirn in Falten. Verwirrt folgte er meinem Blick, der wie magisch angezogen wieder zu der Frau glitt, die lauthals lachte und ihrer Freundin freudig zunickte, bevor sie zur Bar verschwand und mit dem Barkeeper flirtete. Seine Augen begannen zu leuchten und ich konnte praktisch sehen, wie sein Schwanz in der Hose anschwoll. Ich unterdrückte ein Knurren.

»Ja, ich hab nur …« Ich schüttelte den Kopf. Was? Eine Fremde angestarrt und sie mit meinen Blicken verschlungen? Ja, genau das hatte ich getan, aber das konnte ich schlecht sagen, ohne Ärger mit Dom zu provozieren. Wir mussten wachsam sein. Jetzt mehr als je zuvor. Ich musste mich zusammenreißen. Tief atmete ich durch und zwang mich, von ihr wegzusehen. Ich sollte mir das aus dem Kopf schlagen. Glück für sie. Vielleicht würde sie doch aus dem Club kommen, ohne dass ich sie mir nahm.

»Ich sehe schon.« Dom verdrehte die Augen und seufzte tief. Er hielt nichts von meinen Ausschweifungen. Sie passten nicht in sein Bild von den verantwortungsbewussten Männern, die wir sein mussten, damit uns nicht die Polizei dran bekam, oder uns eine andere Mafiafamilie den Garaus machte. »Aber wir sind hier, um zu arbeiten«, erinnerte er mich. Was auch sonst? Für Dom gab es nur die Arbeit. Na gut, und das Mädchen der Nachbarn, das er niemals haben konnte, weshalb er wohl beschlossen hatte, dass er und alle anderen auf dieser Welt abstinent bleiben mussten.

»Das Arschloch kommt sowieso nicht mehr«, schnaubte ich und marschierte an Dom vorbei, um mich zurück auf die schwarze Lederbank zu setzen, von der ich hoffte, dass der Clubeigentümer sie regelmäßig desinfizierte. Schlimm genug, dass auf dem Glastisch vor uns eine Linie weißen Pulvers lag. Ich hatte nichts gegen ein bisschen Fröhlichkeit in der Nase, doch dann musste es wenigstens guter Stoff sein. Und in diesem Club war gar nichts gut. Die Getränke bestanden aus mehr Wasser als Alkohol, die Musik war immer einen Tick zu laut und den Typen, der die Nebelmaschinen bediente, würde ich ohne Umschweife feuern, weil nirgendwo auch nur ein Wölkchen zu sehen war.

»Wir sollten trotzdem …«, setzte Domenico an und folgte mir zu dem Platz, der jede Nacht für uns reserviert war, obwohl wir sonst nie hierherkamen. Aber allein die Möglichkeit schien dem Besitzer zu reichen, um sicherheitshalber vorzusorgen, falls wir doch einmal kamen. So wie jetzt. Ich grinste. Wie viel Panik musste Giovanni vor uns haben, dass er potenzielle Kunden vom besten Platz vertrieb, weil er Schiss hatte.

»Alessio hat recht«, unterbrach Antonio ihn, um stattdessen sein Getränk zu nehmen, und legte seine Waffe auf die Glasplatte. »Lasst uns nach Hause gehen, bevor ich irgendwen statt des beschissenen Händlers umbringe.« Angewidert sah Antonio auf die Drinks, die mittlerweile auf unserem Tisch standen. Sah aus, als hätte ich sie umsonst geholt. Er würde das Glas sicher nicht anfassen, wenn er es schon so kritisch beäugte. Und ich sollte recht behalten. Antonio verzog die Lippen zu einem schmalen Strich und verschränkte die Arme vor der Brust. Auffordernd blickte er mich an. Es gab nur ein Problem: Ich wollte nicht gehen. Sobald wir durch die Tür verschwanden, würde ich die tanzende Frau nie wiedersehen. Und das konnte ich nicht zulassen. Nicht, ohne es nicht wenigstens versucht zu haben. Mein Schwanz pochte zustimmend in meiner Hose.

»Können wir nicht noch bleiben?«, wollte ich wissen und sah fragend Antonio an. Domenico würde sicher irgendeinen arbeitstechnischen Grund aus dem Hut zaubern, warum wir heute noch unbedingt etwas tun musste, aber die Wahrheit war eine andere. Wir hatten alles getan. Vor morgen früh würde es sich nicht auszahlen, das Arschloch von einem Waffenhändler zu suchen, weil er in den ersten vierundzwanzig Stunden nicht dumm genug wäre, stehen zu bleiben. Wir mussten warten, bis er sich irgendwo niederließ und sich in Sicherheit wiegte. Also würde ich noch am ehesten von Antonio Beistand bekommen, der einen ähnlichen Frauenverschleiß an den Tag legte wie ich. Nur mit einem Unterschied: Er suchte jemanden, den er lieben konnte, und ich wollte nur, dass sie vor mir im Dreck krochen, während mein Schwanz zwischen ihren Lippen steckte und sie zum Würgen brachte.

»Um was zu tun? Ich will nicht länger als nötig in diesem Drecksloch bleiben.« Antonio stieß mit Absicht gegen sein Glas. Es kippte zur Seite und der bräunliche Inhalt verteilte sich auf dem Tisch. Er vermengte sich mit dem mittelmäßigen Koks, das sogar nach verficktem Mehl roch, und tropfte an den Kanten auf den Boden.

Ich biss die Zähne zusammen und versuchte mich nicht darüber zu ärgern, dass ich ihnen immer hinterher dackelte, wie es von mir als Kapitän verlangt wurde. Als Underboss und Berater standen sie in der Rangordnung genau unter unserem Boss, während ich mich unter ihnen einreihte. Die meiste Zeit hatte ich damit keine Probleme. Ich arbeitete gern für meine Brüder und sie hatten wahnsinnig hart dafür gearbeitet, so weit zu kommen. Aber das hatte ich auch. Und in Momenten wie diesen hasste ich es, dass ich nicht einfach allein hierbleiben oder sie zwingen konnte, mit mir im Club auszuharren. Nicht, weil ich ihnen die Ränge nicht gönnte, sondern ich nicht einmal dafür infrage gekommen war. Als könnte ich etwas dafür, dass ich Padres ungewollter Sohn war, den er mit irgendeiner Schlampe gezeugt hatte, nachdem er seine große Liebe an die Familie Santis verloren hatte. Ich bemühte mich wirklich, es nicht zu zeigen, aber diesmal ging es mir gegen den Strich. Ich wollte sie. Aber ich würde sie nicht bekommen. »Klar. Entschuldige bitte. Ich rufe Riccardo an, damit er uns abholt«, brummte ich, sprang von der Couch auf und suchte bereits nach meinem Handy, um dem Chauffeur Bescheid zu geben, dass er uns abholen sollte. Ein weiterer Punkt, den ich nicht ausstehen konnte. Ich liebte meinen Wagen. Wieso fuhren wir nicht einfach selbst? Dann müssten wir nicht immer auf diesen Wichser warten, der konstant zehn Kilometer pro Stunde zu langsam fuhr.

»Stopp!«, rief Antonio und zog fragend die Augenbrauen zusammen. »Was ist hier los?« Antonio schlug mit der flachen Hand auf den Tisch. Es platschte widerlich. Der Alkohol spritzte auf seinen Handrücken, doch er erreichte damit, dass ich wirklich stehen blieb. Sollte ich es noch einmal versuchen? Ich spickte zu meinem Mädchen. Sie stand immer noch an der Bar und lehnte sich über die Theke, um weniger schreien zu müssen, während sie mit dem Barkeeper sprach. Dabei streckte sie ihren Hintern nach hinten. Ihr Kleid war ein Stück nach oben gerutscht, sodass ich ihn in all seiner Pracht bewundern konnte. Verdammt! Wie gern würde ich meine Hand in ihrem Fleisch vergraben, bis meine Fingerkuppen blaue Flecken hinterließen. Doch damit war ich nicht allein. Der Typ, der neben ihr stand, schien den Anblick ebenfalls zu genießen. Er schlug ihr auf den Arsch und packte ihre Pobacke. Ich knurrte und wollte schon nach Antonios Waffe greifen, als sie sich umdrehte, einen Drink von der Theke nahm und ihn dem Typen über den Kopf kippte. Wie ein begossener Pudel starrte er sie an und wollte sie wieder anfassen. Diesmal an ihren anbetungswürdigen Titten. Doch auch das parierte sie, indem sie sich zur Seite drehte und dem Arschloch ihren Ellbogen gegen das Brustbein rammte und ihm anschließend in die Eier trat. Ich grinste, als der Typ zusammenklappte und auf den Boden fiel. Mit einem Lächeln wandte sie sich wieder dem Barkeeper zu. Fuck, sie hatte Feuer. Und das gefiel mir. Ob sie Interesse an dem Mann hinter der Theke hatte? Würde er sie heute Nacht vögeln, wenn ich es nicht tat? Na, wenigstens würde sie dann heil hier rauskommen.

»Nichts, ich …« Ich würde sie gern bis zur Besinnungslosigkeit ficken. Wie viele Orgasmen sie aushielt, bevor sie zusammenbrach? Vermutlich nicht so viele, wie ich es gern hätte. Aber das machte sowieso keinen Unterschied mehr. Es würde mich wundern, wenn der Schlappschwanz, der ihr gerade zwei Getränke zuschob, sie überhaupt feucht bekommen würde.

»Siehst du die Kleine an der Bar? Blaue Haare?«, unterbrach Domenico mich und deutete mit dem Kopf in die Richtung, wo das Arschloch auf dem Boden sich gerade aufrappelte. Doch statt es noch einmal zu versuchen und ihr ungefragt an den Hintern zu fassen, suchte er das Weite. Kluge Entscheidung. Sonst hätte ich ihn vielleicht doch noch erschießen müssen.

»Du meinst die Schlumpfine?« Antonio streckte den Hals, um eine bessere Sicht zu haben. Sein Blick schweifte über die Menschenmassen und blieb bei der Frau hängen, die begann, ihren Arsch im Takt der Musik zu bewegen. Ich hatte keine Ahnung, welches Lied gerade lief, aber es war auch unwichtig. Hauptsache, sie hörte nicht auf, mit dem Arsch zu wackeln. Ich schluckte und presste zeitgleich meine Hand gegen meinen Schritt. Das Pochen wurde langsam unangenehm und mein Schwanz bettelte um Aufmerksamkeit. Scheiße, wenn ich sie nicht haben konnte, musste ich wenigstens den Druck loswerden. Hoffentlich würde Riccardo sich beeilen, damit ich mir wenigstens schnell in meinem Zimmer einen runterholen konnte, bevor meine Eier explodierten und ich in meiner Hose kam.

»Ja.« Antonio verlagerte sein Gewicht von einem Bein auf das andere und Belustigung trat in seine Miene, als er beobachtete, wie der Barkeeper sich abmühte, der Frau in die Augen, statt ins Dekolleté zu starren, während sie leicht tänzelnd vor der Bar stand. Es gelang ihm eher schlecht als recht. »Was ist mit ihr?«

»Gar nichts, sagte ich doch schon. Ich rufe Riccardo an.« Ich wählte bereits Riccardos Nummer. Weniger, weil ich die ganze Geschichte beschleunigen wollte – auch wenn mein Schwanz nichts dagegen gehabt hätte, wenn wir schon im Anwesen gewesen wären und ich mich um meine Erektion kümmern könnte – sondern, weil ich nicht sehen wollte, wie Antonio begann zu lachen. Leider hörte ich es trotzdem, als Domenico ihn auf das Offensichtliche aufmerksam machte.
»Alessio hätte sie gern.« Domenicos Stimme klang gelangweilt, aber das Schnauben, das er am Ende ausstieß, verriet, dass er nicht genervt war. Es schien ihn stattdessen zu amüsieren und das war es irgendwie wert, zugeben zu müssen, dass ich Überdruck in der Hose hatte. So peinlich es mir auch war, so froh war ich auch, dass Dom mal etwas anderes tat als Trübsal zu blasen.

Antonios Gelächter schallte zu mir hinüber und im nächsten Moment schlug er mir brüderlich gegen die Schulter, sodass ich zu ihm sah. Seine schwarzen Haare hingen ihm leicht ins Gesicht und versteckten eines seiner blauen Augen. »Ernsthaft? Die passt sonst nicht in dein Beuteschema.«

»Ich weiß.« Natürlich wusste ich das. Normalerweise mochte ich unscheinbare Mädchen, graue Mäuschen, weil sie am leichtesten zu knacken waren. Sie hatten jahrelang ihre dunkelsten Begierden zurückgehalten und ich musste ihnen nur meinen Schwanz reichen, damit sie die aufgestaute Lust losließen und zu Schlampen mutierten. Sie schrien, bettelten und hassten sich am nächsten Tag dafür, wenn sie allein in irgendeinem Bett aufwachten und sich daran erinnerten, dass sie all ihre Würde für einen Orgasmus verloren hatten. Doch irgendwann wurde es langweilig. Es war zu einfach. Mir fehlte die Herausforderung und es war viel befriedigender, wenn eine starke Frau flehte, als wenn es eine schwache tat. Weil es bei letzterer jeder erreichen könnte. Bei Schlumpfine würden sich jedoch bestimmt viele die Zähne ausbeißen, bevor sie tat, was ihr gesagt wurde. »Vergiss es einfach.«

»Ganz bestimmt nicht.« Antonio trat an seinen Stuhl zurück und setzte sich. Das Leder sank unter seinem Gewicht ein. Lässig lehnte er sich zurück und nickte mir verschwörerisch zu, bevor er die Gäste beobachtete, die einen großen Bogen um uns machten. Die meisten wussten, wer wir waren und dass es besser war, uns aus dem Weg zu gehen. Und alle, die keinen Schimmer hatten, hielten instinktiv Abstand. Glück für sie. »Sieht aus, als würden wir noch eine Weile bleiben.«

»Aber du sagtest doch …«, protestierte ich, obwohl es nur ein halbherziger Versuch war. Ich wollte nicht gehen. Punkt. Doch Dom sah überhaupt nicht glücklich mit Antonios Entscheidung aus, auch wenn er sich ebenfalls auf seinen Platz sinken ließ. Zur selben Zeit lief einer der Mitarbeiter mit einem Fetzen auf uns zu, wischte die Tischplatte ab und verschwand wieder. Es war ein lustiges Schauspiel, weil er so tat, als hätte er das Glas umgeworfen. Er entschuldige sich mehrfach für die Unannehmlichkeiten, bevor Domenico ihn mit einem Handzeichen wegscheuchte.

»Ich sagte, dass ich dieses Drecksloch hasse, aber die Auswahl an Weibern ist diesmal sogar brauchbar.« Antonio lachte erneut und leckte sich über die Lippen, während er einen Punkt hinter mir anvisierte. Schnell warf ich ebenfalls einen Blick auf die Ecke, nur um die Freundin meiner Auserwählten zu erspähen, die von einem Mann angemacht wurde, der den Ausdruck nicht verdiente. Kein Mann würde versuchen, eine Frau inmitten eines Clubs zu ficken, während sie sich wehrte. Dachte er, er würde damit durchkommen? Sicher, das Crack war ein riesiger Haufen Scheiße, aber irgendwo zwischen den Waffen, den Alkoholleichen neben dem Scheißhaus und den vögelnden Paaren auf der Tanzfläche, gab es eine Grenze. Vergewaltigung war eine davon.

»Sollten wir ihr nicht helfen?«, fragte ich und ballte die Hand zu einer Faust, als das Schwein ihr unter den Rock griff und sie zu schreien begann. Ob sie nach Hilfe schrie? Oder nach ihrer Freundin? Leider war ich zu weit weg, um sie zu hören, doch ihr Gesichtsausdruck machte klar, dass sie nicht wollte, was gerade passierte. Wer könnte es ihr auch verdenken? Der Kerl sah aus, als hätte er vor Jahren das letzte Mal eine Dusche gesehen.

»Nein, wieso? Sie ist nur eine von vielen«, murmelte Antonio, doch er wandte den Blick keine Sekunde von der Szenerie ab, die außer Kontrolle zu geraten drohte. Das Schwein leckte am Hals der Frau, die jeder Märchenprinzessin Konkurrenz gemacht hätte mit den blonden Haaren und dem kindlichen Gesicht. Sie verzog angewidert die Miene und öffnete wieder den Mund, um zu schreien. Währenddessen trat sie dem Wichser gegen das Schienbein. Leider beeindruckte ihn das nicht. Stattdessen packte er sie fester. Tränen schimmerten in ihren Augen.

»Er tut ihr weh.« Und ich hasste es. Das hatte nichts Erotisches, auch wenn ich sonst gern mal anderen Paaren beim Ficken zu sah. Ich mochte es, wenn Frauen vor Erfüllung heulten, vor Lust oder vor Schmerz. Aber bestimmt nicht vor Angst. Das war einfach abstoßend. Trotzdem schritt niemand ein, als würden nicht alle mitbekommen, dass das Schwein seine Hand zwischen die Beine der Frau gleiten ließ. Ich unterdrückte ein Würgen.

»Und weiter? Wenn sie sich nicht selbst helfen kann, ist sie es nicht wert, gerettet zu werden.« Antonios Worte waren hart, aber ich wusste, dass er eigentlich recht hatte. Wir konnten nicht allen helfen. Doch ihr wollte ich es ersparen, gegen ihren Willen genommen zu werden. Vielleicht, weil mein Tag bisher scheiße war und eine gute Tat mich eventuell davor bewahren würde, im ewigem Höllenfeuer zu schmoren, wenn ich starb. Oder es lag einfach daran, dass ihre Freundin heißer als das Fegefeuer war. Genau genommen machte es keinen Unterschied.

»Das gefällt mir nicht.« Obwohl die Show gar nicht so schlecht war, wie sie hätte sein können. Das Mäuschen wehrte sich ziemlich heftig. Das hätte ich ihr gar nicht zugetraut. Ich hätte eher erwartet, dass sie heulend zusammenbrach und nachgab, um es schnell hinter sich zu bringen. Doch sie trat immer wieder nach dem Schienbein des Typen und suchte den Club nach ihrer Freundin ab, die weiterhin an der Bar klebte und dem Barkeeper schöne Augen machte.

»Hast du plötzlich ein Gewissen entwickelt?« Verblüfft sah Domenico mich an, während er sich tiefer in seinen Sitz sinken ließ. Neugierig beäugte er mich. Dabei kannten wir beide bereits die Antwort auf seine Frage.

»Nein, aber das törnt mich ab.« Leider nicht genug. Mein Schwanz stand immer noch wie eine Eins und wartete darauf, dass sich entweder meine Hand oder eine warme Möse darum schlang. Aber zum Glück war das Pochen inzwischen abgeflacht, sodass ich wieder klar denken konnte. »Ich werde dem Schwein sagen, dass …«, begann ich und sprang auf, als das Arschloch ein zweites Mal über die Wange der Frau leckte und danach auch noch lachte. Ekelhaft! Mein Magen zog sich zusammen und ich war plötzlich froh, den ganzen Tag noch nichts gegessen zu haben.

»Bleib sitzen, Alessio!«, befahl Antonio und hob seinen Blick, bis die Frau ihn und er sie anstarrte. Ein kaltes Grinsen legte sich auf seine Züge, während ich mich wie auf Kommando wieder auf die Sitzfläche fallen ließ. Doch hinter der Kälte lag noch etwas anderes. War das Interesse?

»Sie gefällt dir.« Es traf mich wie ein Schlag. Natürlich! Er testete sie. Deshalb blieben wir hier. Nicht, weil ich unbedingt ihre Freundin wollte, sondern weil Antonio sie besitzen wollte. Dieses Schlitzohr! Und ich fühlte mich noch schlecht, meine Brüder hier festzuhalten. Ein Lachen drang aus meiner Kehle. War ja klar, dass Antonio ebenfalls nicht die Füße stillhalten konnte – ob wir beruflich hier waren oder nicht.

»Bleibt abzuwarten«, antwortete Antonio ausweichend und ich biss die Zähne zusammen, um nicht wieder zu lachen. Das war also sein Plan. Im Gegensatz zu mir hasste er Frauen, die sich leicht brechen ließen. Er wollte jemanden, der mit seiner rauen Art und der Gewalt umgehen konnte, ohne verrückt zu werden. Wir alle dachten, er hätte genau das in seiner Ex gefunden, aber sie stellte sich als Pleite heraus. Also suchte er weiter und ich musste ihm recht geben: Eine Frau, die sich schon von einem ungewaschenen Penner unterkriegen ließ, würde bei der Mafia gnadenlos untergehen.

»Anscheinend musst du gar nicht lange auf deine Antwort warten.« Ich deutete in die Richtung, wo die Prinzessin die Arschgeige gerade von sich stieß und wild mit den Händen gestikulierte, bevor sie ihre Schulter nach hinten nahm und den Rücken durchdrückte. Ihre Beine wankten leicht, dennoch stellte sie einen Fuß vor den anderen und überbrückte die Distanz zwischen uns. Sie hielt länger durch, als ich dachte. Respekt. »Sie kommt auf uns zu.«

»Und da ist sie nicht die Einzige.« Domenico schielte zur Bar und er hatte recht. Meine Auserwählte drehte sich mit einem großartigen Hüftschwung von dem Barkeeper weg und suchte die Menge nach ihrer Freundin ab, die auf uns zusteuerte und vor Antonio zum Stehen kam. Sie schluckte. Sah aus, als würde sie der Mut verlassen.

»Kann ich dir irgendwie helfen, Bellezza?«, fragte Antonio sie, stützte seine Ellbogen auf seinen Knien ab und sah zu der Schönheit auf, die an ihrer Lippe knabberte. Kurz dachte ich, sie würde es nicht durchziehen. Doch sie warf einen Blick hinter sich und sah, dass der Vergewaltiger sie immer noch beobachtete. Sie verzog gequält das Gesicht.

»Ja«, antwortete sie leise und im nächsten Moment riss ich die Augen auf, als sie sich hinunterbeugte und Antonio die Zunge in den Hals steckte. Fuck! War das ihr Ernst? Niemand küsste ungefragt einen Underboss der Mafia. Niemals. Aber die kleine Prinzessin schien diese Regel nicht zu kümmern. Sie setzte sich einfach auf seinen Schoß und drückte sich an ihn, als wäre es das Normalste auf der Welt. Und meinen Halbbruder störte es nicht. Er platzierte seine Hand auf ihrem Arsch und ließ sich gern von ihr als Alibi missbrauchen, damit der Vergewaltiger abzog. Die Situation war eigenartig, geradezu grotesk. Und unheimlich lustig. Sobald ich den ersten Schock überwunden hatte, konnte ich nichts anderes tun, als lauthals zu lachen. Dafür kassierte ich zwar einen grimmigen Blick von Dom, aber ich schaffte es nicht aufzuhören. Selbst, als die beiden sich keinen Trockenfick mehr lieferten, prustete ich weiter, weil ich es nicht glauben konnte. Da war ein zierliches, unschuldiges Mädchen, das in den gefährlichsten Club der Stadt spazierte, beinahe missbraucht wurde und dann auf den Schoß eines Mafiamitglieds sprang. Wenn ihre Freundin nur halb so viel Mut – oder so wenig Lebenswillen – besaß, würde das die beste Nacht meines Lebens werden. Doch dafür musste ich sie erstmal dazu bekommen, näher zu mir zu kommen. Was sich als wahnsinnig einfach herausstellte. Sie eilte an unseren Tisch, während der Vergewaltiger das Weite suchte und Dom mit der Waffe, die er sich von der Glasplatte schnappte, den Club verließ. Sah aus, als würde das Schwein die Nacht nicht überstehen. Das war auch besser so. Niemand würde ihn vermissen und er konnte seiner Mom keine weitere Schande bereiten.

»Alles in Ordnung, Lizzy? Was ist passiert?«, rief meine Auserwählte und sorgte dafür, dass Lizzy von Antonios Schoß hinunterstieg. Zittrig erhob sie sich, bedankte sich bei Antonio für seine Hilfe und wandte sich ihrer Freundin zu, während mein Halbbruder mich überlegen angrinste. Schön, er war schon weitergekommen als ich, aber seine Kleine musste sich erstmal von dem Schock erholen, bis er sie ficken konnte. Das würde ich mir sparen.

»Wo warst du so lange?«, schrie Lizzy und eine Träne lief ihre Wange entlang. Ihr Gesicht war gerötet und die Haare zerzaust. Ein hübscher Anblick, auch wenn sie die Schönheit mit der Panik in ihrer Stimme zerstörte. Der Moment war vorbei. Wieso machte sie weiterhin so einen Aufstand? Das war überzogen und unnötig. Vielleicht sollten wir sie von einem der Drinks trinken lassen, die ihre Freundin in den Händen hielt. Sie hatten die typische Farbe, die mir sagte, dass genug flüssiges Ecstasy darin war, um beide für die ganze Nacht auszuknocken.

»Getränke holen. Wieso? Was ist los?« Ihre Freundin stellte die Drinks auf unseren Tisch und legte ihre Hände stattdessen auf die Schultern von Lizzy, um sie nach Verletzungen abzusuchen. Aber als sie keine fand, atmete sie erleichtert aus und trat wieder einen Schritt zurück. Dabei fiel ihr Blick das erste Mal auf Antonio und schweifte dann weiter zu mir, wo er verharrte. Ihre Pupillen weiteten sich. Das Silber in ihren Augen verhärtete sich und begann zu strahlen. Ein leichtes Lächeln erschien auf ihren Zügen und … war das Erkennen? Hatte sie mich vorhin schon bemerkt? Egal! Hauptsache, ihr gefiel, was sie sah. Und das tat es augenscheinlich. Sie leckte sich über die Unterlippe und begann daran zu knabbern. Nicht auf die schüchterne Art wie ihre Freundin, sondern sexy, als wüsste sie genau, was sie tun musste und wie es auf andere wirkte. Mich machte es auf jeden Fall rasend. Ich wollte sie auf den Bauch drehen, über meine Knie legen und ihr den Arsch versohlen, bis sie aufhörte, mich mit Absicht anzuheizen.

»Ich will hier weg! Und zwar sofort, Lyra. Egal, ob du Geburtstag hast oder nicht, es sei denn, dein diesjähriges Geschenk ist meine Vergewaltigung.« Lizzy stemmte die Hände in die Hüften und warf ihrer Freundin einen vernichtenden Blick zu. Doch die Geste hätte wesentlich beängstigender gewirkt, wenn sie nicht immer noch geschluchzt hätte wie ein Schlosshund.

Warte! Meine Auserwählte hatte Geburtstag? Das wurde ja immer besser. Es gab nur zwei Gründe, um den wichtigsten Tag im Jahr in einer Absteige wie dieser zu verbringen. Entweder man hatte niemanden mehr, um richtig zu feiern, oder man suchte nach gefährlichem Spaß. Ich betete auf Letzteres. Das würde es so viel einfacher machen. Außerdem hatte ich jetzt endlich einen Namen. Lyra. Er klang exotisch. Irgendwie keltisch oder zumindest nordisch. Kalt. Somit passte er ganz gut zu ihrer Haarfarbe, doch ich wagte zu bezweifeln, dass das auch auf ihre Persönlichkeit zutraf. Nicht bei dem Winseln, das sie von sich gab, nur weil ihre Freundin wütend auf sie war.

»Lizzy? Hat dir jemand weh getan?«, fragte sie und wandte den Blick von mir ab, auch wenn ich das Gefühl hatte, dass sie es nicht wollte. Ihre Bewegungen waren einen Tick zu langsam, zu angestrengt. Ich schmunzelte.

 »Nein.« Lizzy schüttelte den Kopf und verschränkte die Arme vor der Brust. Dabei drückte sie ihre Titten nach oben. Im direkten Vergleich waren sie kleiner als die ihrer Freundin, aber dennoch sehr ansehnlich. Leider wurde mir der Anblick verwehrt, weil Domenico in diesem Moment wieder an den Tisch zurückkehrte und sich auf seinen Platz fallen ließ. »Vergiss es! Ich will einfach raus hier.«

Schockiert sah ich zu, wie Lyra Lizzys Hand nahm und sie sanft drückte, um tatsächlich den Club mit ihr zu verlassen. Das durfte nicht passieren. Nicht nur, weil ich es nicht wollte, sondern weil es Lyra genauso ging. Ich sah sie schlucken, bevor ihr Blick unsicher zu mir wanderte. Jackpot. Sie war genauso scharf auf mich wie ich auf sie.

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