Wenn eine Beziehung gespielt wird, sind Missverständnisse vorprogrammiert. Überraschenderweise gibt es in Faking it gar nicht so viele davon. Die Absichten hinter dem Deal sind von Anfang an klar. Olivia soll auf einer Hochzeit Matthews Freundin spielen, damit er vor seiner Ex nicht doof dasteht. Im Gegenzug sieht er darüber hinweg, dass sie ihn bestehlen wollte. Olivia lässt sich trotz ihrer heimlichen Gefühle für Matt auf den Deal ein, weiß also, dass ihr nicht unbedingt die beste Zeit ihres Lebens bevorstehen kann. Ihre Handlungen, Reaktionen und ihr Selbstschutz sind für den Leser gut nachvollziehbar. Ich hätte mir gewünscht, dass die Gefühle dabei mehr transportiert werden, stattdessen ist es aber eher der Verstand, der ihr Verhalten abnickt.

Matthew hingegen irritiert in weiten Teilen sehr. Ginge es hier um eine Teenie-Geschichte, könnte ich sein Gegeiere nach der Ex-Freundin und das teilweise unmögliche Benehmen gegenüber Olivia als Unreife abstempeln. Der gute Mann hat die dreißig aber bereits überschritten und sollte sich, Gefühle hin oder her, besser im Griff haben. Einen “ausgefeilten” Plan, die seit Jahren Verflossene mittels einer Fake-Freundin und Eifersucht zurückgewinnen zu wollen und sich keine Sekunde Gedanken darüber zu machen, ob man vielleicht einer Illusion hinterherrennt, entwickelt man in dem Alter nicht mehr. Oder zumindest ist das nicht die Norm, dafür sind den meisten schon zu viele Erfahrungen untergekommen. Das lässt die Geschichte an Glaubwürdigkeit einbüßen.

Der Schreibstil ist locker, leicht und wirklich angenehm zu lesen, Schlüssel- und Sexszenen sind in meinen Augen allerdings viel zu knapp gehalten. Es wird nicht an dem sich ewig wiederholenden inneren Monolog “Es ist nur Fake” gespart, wenn die beiden sich zwischendurch mal näher kommen, ist die Szene jedoch nach einer bis eineinhalb Seiten abgefrühstückt. Ein bisschen schade, finde ich.

Insgesamt solide drei Sterne.

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